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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2017
Im Herzen die Freiheit
Iran: Reise in ein Land der Widersprüche
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Ja. Vielleicht. Doch nicht

Sie stand etwa 200 Meter von unserer Haustür entfernt. Ich besuchte sie, wenn ich in Ruhe gelassen werden und die Ruhe mit jemand anderem teilen wollte. Mit meiner besten Freundin etwa, die auch 200 Meter entfernt wohnte, allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Die gelbe Telefonzelle mit den dicken Glaswänden gab mir Intimität für die wichtigen Gespräche auf der Zielgerade zum Erwachsenwerden. Eindeutig zu wenig Intimität bot dagegen das heimische hellgraue Telefon mit dem Ringelkabel von der Post. »Festnetztelefon« sagt man heute etwas abschätzig zu diesen Geräten, auch wenn sie keine Ringelkabel mehr haben, die man beim konzentrierten Telefonieren so schön gedankenverloren um den Zeigefinger wickeln konnte. Schade eigentlich. Die Telefonzelle war ein Rückzugsort. Es waren die 1990er-Jahre, und fast völlig unbemerkt von mir und meinen Freunden hatte sich am 1. Juli 1992 eine Revolution ereignet: An diesem Tag, der sich 2017 zum 25. Mal jährt, hatte der kommerzielle Mobilfunk mit dem D-Netz in Deutschland Einzug gehalten. Die einzige Begegnung mit dem Phänomen Mobilfunk hatten meine Freundin Jule und ich, als wir einmal ihrem Onkel in der Fußgängerzone begegneten. Zwischen Ohr und Schulter trug er ein klotziges, schwarzes Gerät von der Größe eines Affenbabys. Er war irgendwas Wichtiges bei einer Bank. »Schnell, um die Ecke gehen«, zischte Jule. »Der mit seinem Handy, das ist so peinlich, ich will nicht, dass man mich mit ihm sieht.«

Ein Vierteljahrhundert später liebe ich mein iPhone und vermisse die gelben, ramponierten, vollgekritzelten Telefonzellen nicht wirklich. Was ich vermisse: die Verabredungen, die ich in der Telefonzelle und am Festnetztelefon getroffen habe. Die waren vielleicht nicht lustiger oder tiefsinnige