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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2017
Im Herzen die Freiheit
Iran: Reise in ein Land der Widersprüche
Der Inhalt:

Das Dorf am Beginn des Kriegs

Roman. Dies ist ein Buch, das unter die Haut geht und anhaltend nachwirkt. Mit dem Roman »Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam« hat Yavuz Ekinci eine gleichnishafte kleine Geschichte geschrieben – in einer schlichten Sprache, die es dann aber in sich hat.

Die Bewohner eines kleinen Dorfes am Fuß des Berges Amar, von dem die Leserin nur erfährt, dass er im kurdischen Teil der Türkei liegt, gehen ihrem Tagwerk nach. Der Autor verfolgt sie wie ein Kameramann: Die Kinder, die eben noch den hinkenden Rasul geschlagen haben, weil er als Torwart versagt hat, schauen nun einträchtig einen amerikanischen Film, in dem Cowboys Indianer erschießen. Dann fällt der Strom aus. Ein Junge geht zum Fenster, schnappt sich eine Fliege, reißt ihr die Flügel aus und zerquetscht den Rest auf der Fensterbank. Da geht das Fenster des gegenüberliegenden Hauses auf, eine Frau schüttelt ein Tuch aus. Sie schließt die Läden. Und nun sind wir bei ihr, wie sie ihren sterbenden Mann Eyüp (türkisch für Hiob) pflegt. Nächste Szene: Ein Mann kommt vom Berg Amar gerannt. Er schreit: »Sie kommen!« Der Leser erfährt nicht, wer da kommt, und er erfährt nicht, warum. Aber die Dörfler wissen es genau. Yavuz Ekinci schaut jedem von ihnen ins Gesicht und sieht Todesangst. Was tun Menschen, wenn der Krieg über sie hereinbricht? Selten wird das so schlicht und ergreifend beschrieben wie in diesem Buch. Der 38-jährige Lehrer und Herausgeber einer Reihe mit kurdischer Exilliteratur will erkennbar nicht nur türkische Tagespolitik kommentieren. Er bezieht sich auf die archaische Kriegslust des Menschen. »Sie kommen!«, werden die Leute gerufen haben, als die Nazis einmarschierten: »Sie kommen!«, rufen heute Afghanen, Iraker, Somalis, Sy