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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

»Das ist ein verheerendes Zeichen«

Das panorthodoxe Konzil begann mit einem Eklat und findet ohne die russische Kirche statt. Fragen an den Ostkirchen-Experten Dietmar Winkler

Publik-Forum: Vierzig Jahre Konzils-Vorbereitung, und dann sagen die russische und die bulgarische Kirche kurzfristig ab. Wie konnte das passieren?

Dietmar Winkler: Die innerorthodoxen Spannungen sind außerordentlich groß, insbesondere zwischen dem Patriarchat von Moskau und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel (heute Istanbul), dem Sitz des ranghöchsten orthodoxen Bischofs. Moskau beansprucht innerhalb der orthodoxen Welt die Führung.

Wie wird dies begründet?

Winkler: Die russische Kirche ist die größte orthodoxe Kirche. Dazu kommt die Vorstellung von Moskau als dem »Dritten Rom«, die zwar nicht Teil der Theologie, aber in den Köpfen verwurzelt ist. Demnach ist das Erste Rom untergegangen, das Zweite Rom (= Konstantinopel) wurde von Muslimen erobert, sodass nur noch Moskau als das Dritte Rom die eigentliche Kirche Jesu Christi verkörpert.

Führen Sie die Absage der Russen auf gekränkte Eitelkeit zurück, oder war es gar ein politischer Wink aus dem Kreml?

Winkler: Die russische Kirche unter Führung von Patriarch Kyrill und Metropolit Hilarion, dem Leiter des Außenamtes, ist engstens mit dem Staat verknüpft. Man kann fast von Caesaro-Papismus sprechen. Aber in diesem Fall denke ich nicht, dass der Kreml Einfluss nahm.

War das Konzil schlecht vorbereitet?

Winkler: Nein. Die Themen hat man bereits vor vierzig Jahren festgelegt, die beschlussreifen Vorlagen gemeinsam erarbeitet. Dennoch befür