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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

»Ich fühle mich gebraucht«

von Anke Lübbert vom 26.06.2015
Georg Lallathin schützt brütende Seeschwalben vor neugierigen Touristen

Wie dramatisch die Situation für die Küstenvögel ist, weiß ich erst, seitdem ich hier im Naturschutzgebiet Schleimündung arbeite. Ich leiste noch bis Sommer mein Freiwilliges Ökologisches Jahr ab. Das Naturschutzgebiet wurde 1927 eingerichtet, um Zwergseeschwalben zu schützen. Damals brüteten hier Hunderte von Paaren, in diesem Jahr haben wir bisher nur ein einziges entdeckt. Zwerg- und Brandseeschwalben sind mittlerweile in Deutschland fast ausgestorben.

Unser Naturschutzgebiet liegt an der Ostsee, im Norden von Schleswig-Holstein, an der Mündung der Schlei. Außer den Seeschwalben kommen noch unzählige Arten vor. Sehr häufig sind Brachvögel, Singschwäne und Eiderenten. Im Sommer biete ich zweimal am Tag vogelkundliche Führungen für Touristen an. Ich betreue unsere Ausstellung und passe auf, dass keiner die brütenden Vögel stört. Denn manchmal übersehen Touristen die »Betreten-verboten«-Schilder. Dann rennen wir schnell hinterher, um sie aufzuhalten.

Ich habe gleich nach meinem Abitur angefangen, hier zu arbeiten. Ich wollte etwas Sinnvolles tun. Tatsächlich fühle ich mich zum ersten Mal so richtig gebraucht. Allerdings fürchte ich, dass wir das Aussterben einzelner Vogelarten nur verlangsamen. Ich denke, es wird uns nicht gelingen, es zu stoppen. Das finde ich wahnsinnig frustrierend. Im Frühling etwa habe ich viel Zeit damit verbracht, Zäune aufzustellen, die Füchse davon abhalten sollen, an die Gelege der Seeschwalben am Boden zu kommen. Denn die Füchse sind einer der Gründe, warum sich unsere Population nicht erholt. Bisher hat das nicht viel genutzt.

Aber es gibt andere Bereiche, in denen ich den Eindruck habe, dass ich etwas bewirke: vor allem in der Umweltbildung. Ich habe einen Draht zu Kindern und konnte schon vielen vermitteln, welche Umweltprobleme es gibt und was man dagegen tun kann.

Diese Bildungsarbeit ist wichtig. Denn viele Menschen wissen nicht genug über die Natur, um sie zu schützen. Und uns fehlt es an Geld, Einfluss, Unterstützern. Kinder müssen wir auch deshalb ansprechen, weil die meisten Umweltschützer, die ich hier kennengelernt habe, aus der Achtundsechzigergeneration kommen. Sie sind so um die sechzig, älter als meine Eltern. Bei Jüngeren, auch in meiner eigenen Generation, gibt es nicht viele, die sich für Umweltschutz interessieren. Ich habe die Hoffnung, dass es bei den Kin

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