Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Vorstoß durch Verstoß

Wiederverheiratete Geschiedene: Viele Pfarrer im Bistum Freiburg bekennen sich zu einer Praxis der Barmherzigkeit

Das kommt davon, wenn man beim Nachdenken über das Zusammenleben der Geschlechter einen der beiden Pole überbetont: die Treue. Sie ist, ohne Frage, ein sehr hoher Wert. Doch man sieht dabei nicht, dass auch das Scheitern zum Leben dazugehört und die meisten Menschen durchaus nicht leichtfertig mit Trennungen umgehen.

Die katholische Kirche schließt wiederverheiratete Geschiedene von den Sakramenten aus. Als Begründung dient das Jesus in den Mund gelegte Wort: »Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen.« Dieser Satz wird wie ein ehernes Gesetz behandelt. Dass derselbe Jesus immer wieder zur Barmherzigkeit aufrief, fällt da nicht ins Gewicht beziehungsweise wird auf mögliche Einzelfälle eingegrenzt.

Ja, ja, der Ausschluss der wiederverheirateten Geschiedenen sei »ein großes Leiden der heutigen Zeit«, hat Papst Benedikt XVI. kürzlich beim Weltfamilientreffen in Mailand erklärt. Und dann hinzugefügt, die Kirche habe keine »Rezepte« zur Lösung dieses Problems. Das sieht die Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken anders. Inzwischen gilt das auch für immer mehr Priester – und eine Reihe von Bischöfen. Fast 200 Priester und Diakone der Erzdiözese Freiburg haben im Internet ihre Unterschrift unter einen Aufruf gesetzt, der eine Neuregelung der kirchlichen Praxis fordert. Die Unterzeichner erklären, »dass wir uns in unserem pastoralen Handeln gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen von der Barmherzigkeit leiten lassen«. Ihnen sei bewusst, »dass wir damit oft gegen derzeit geltende kirchenrechtliche Vorschriften der römisch-katholischen Kirche handeln«.

So begründete Pfarrer Bernhard Pfaff aus Hohberg-Niederschopfheim in der Badischen Zeitung