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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Der Geschichtenschnitzer

von Bettina Röder vom 19.06.2012
Der Tischler Swen Kaatz wächst in der DDR in einem atheistischen Elternhaus auf. Dann hilft ihm der Glaube zu leben

Es riecht nach Holz. Dann schweben Engel in den Raum. Nicht wirkliche, sondern die, die Swen Kaatz eindringlich beschreibt. Der 42-jährige Möbeltischler steht breitbeinig in seiner Werkstatt. So, als suche er auf dem Boden Halt. Die Engel aus Holz, die er um die Jahreswende künstlerisch entwarf und schnitzte, haben seinem Leben wieder Sinn gegeben. In einer tiefen Lebenskrise hat der in einem atheistischen Elternhaus in der DDR aufgewachsene Handwerker sich mit ihnen beschäftigt. Sie haben ihm wieder auf die Beine geholfen. Nun stehen sie – modern und abstrakt anmutend – auf dem großen Holztisch neben der Hobelbank. Ein Evangelikaler? Vielleicht sogar einer von denen, die alle Welt missionieren wollen? Swen Kaatz lebt mit seiner Frau Antje und den Töchtern Marlene und Paloma in dem kleinen, idyllischen Ort Mühlsen. Ein Bach zieht an seinem 300 Jahre alten Haus vorbei, Bäume säumen den Weg. Es ist tiefstes Erzgebirge hier. Geschichten von Engeln, Zwergen und Elfen sind nicht fern. Doch der Mann, der seine langen braunen Haare mit einer Holzspange zusammengehalten hat, hatte damit nie etwas am Hut. Im Gegenteil. »Ich bin im Plattenbau in Zwickau aufgewachsen, mein Vater war bei Sachsenring und meine Eltern hatten mit Glauben oder Kirche nichts zu tun«, sagt er und streicht Holzstaub von seinem T-Shirt.

Dann kam die Sache mit Karl May. Er hat ihn als Schüler in den 1980er-Jahren gelesen. Da war der Schriftsteller – in der DDR bis dahin verboten – wieder aufgelegt worden. Bei der Geschichte von Winnetou stieß der 14-jährige Swen auf die Schöpfungsgeschichte. »Da ging mir ein Licht auf, ich ahnte, dass da noch mehr sein musste als die Sachlichkeit in der Welt meiner Eltern.« Er suchte die Kirchengemeinde im Ort auf, machte bei der Offenen Jugendarbeit mit, bei der Friedensarbeit. Und ließ sich konfirmieren. »Mein Leben hatte plötzlich einen ganz neuen Sinn bekommen«, sagt er. 1989, als die Menschen, oft aus den Kirchen kommend, demonstrierten, war er 17 Jahre alt und dabei. Er leistete Zivildienst. Und dann ging’s los. Die Ausbildung zum Traumberuf Möbeltischler.

Doch das Glück währte nicht lang. »Möbeltischler hatten kaum eine Chance, weil der Markt im Osten von den großen Ketten überflutet wurde. Die Leute wollten nur noch das«, sagt er, und seine Stimme singt ein wenig. Ihm wurde die Heimat immer wichtiger, je mehr er andere Länder ber

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