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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
Schluss jetzt!
Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

»Wir Afghanen kennen nur Krieg«

Versöhnung am Hindukusch: Das ist das Lebensthema der afghanischen Friedensforscherin Heela Nadschibullah. Im Interview spricht sie über gesellschaftliche Heilung in Afghanistan, Religion und den Mord an ihrem Vater

Publik-Forum: Frau Nadschibullah, Afghanistan scheint verloren zu sein: Krieg seit vierzig Jahren, Terror durch die Taliban – und kein Ende in Sicht. Sie leben selbst im Exil. Ist Ihre Hoffnung, dass Friede und Versöhnung in Afghanistan möglich sind, nicht reichlich naiv?

Heela Nadschibullah: Es ist unsere einzige Chance. In der Vergangenheit wurden viele Fehler gemacht, und ich setze meine Hoffnung nicht mehr in die internationale Gemeinschaft, sondern vor allem in die Afghanen selbst. Sie wollen Frieden. Und sie sind bereit, sich auf den schwierigen Weg der Versöhnung zu machen. Sie wollen den Mördern ihrer Brüder, Mütter, Kinder gegenübersitzen und fragen: »Warum?« Aber der Friedensrat in Afghanistan initiiert solche Begegnungen nicht. Er wird übrigens in Millionenhöhe von der EU und den USA subventioniert, auch von einzelnen Ländern wie Deutschland und Schweden. Aber erst vor acht Monaten hat er damit begonnen, die Zivilgesellschaft überhaupt einzubeziehen. Da sind sie endlich losgegangen, rein in die Dörfer, um mit den Stammesältesten und den Bewohnern zusammenzusitzen und über Versöhnung zu sprechen. Das ist viel zu spät passiert.

Welche Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht?

Nadschibullah: Wo soll ich da anfangen? Vielleicht bei der Bonn-Konferenz 2001 zur Befriedung meines Landes. Da saßen viele afghanische Akteure mit am Tisch – aber nicht die Taliban. Doch wie kann Versöhnung gelingen, wenn eine Seite ausgeschlossen wird? Hinzu kommt, dass am Verhandlungstisch fast nur Tadschiken saßen, die Paschtunen wurden auf die Taliban reduziert, die nicht e