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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
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Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

An der Kante

Wie der neue CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer Sachsen vor der AfD retten will

Die Ursula-Kirche in Friedersdorf bei Görlitz, schönster Bauernbarock, leuchtet wieder schneeweiß. Wer sie betritt, ahnt nicht, dass sie fast eingestürzt wäre. Wilfried Renger steht neben dem goldglänzenden Taufengel und könnte stundenlang erzählen über den Verfall und die Rettung der Dorfkirche. Er hat viele Jahre den Kirchbauverein geleitet, beim letzten Bauabschnitt klemmte es plötzlich. Da kam der Joker ins Spiel: Wohnt nicht Michael Kretschmer, der junge CDU-Bundestagsabgeordnete, im Nachbardorf? Der könnte doch helfen. »Er konnte sich das Geld ja auch nicht aus den Rippen schneiden«, sagt Renger. Aber in Dresden anrufen, etwas Druck machen, das schon.

Der Blick ins Schiff genügt, um zu wissen, dass der Plan voll aufgegangen ist. Und am Tag der Einweihung hatte Kretschmer noch eine Überraschung parat. Aus dem Kofferraum zog er einen Teppich und rollte ihn vor den verdutzten Friedersdorfern vorm Altar aus. Passgenau aus feinstem Sisal. Renger strahlt. »Wenn Kretschmer Ja sagt, meint er auch Ja.« Kurzum, ein Mann wie die Oberlausitz – bodenständig, konservativ und mit praktischer Ader.

Geholfen hat das Kretschmer nicht. Der 24. September 2017, der Tag der Bundestagswahl, endete für ihn im Debakel. Er verlor seinen Wahlkreis an einen Nobody, den AfD-Kreisvorsitzenden Tino Chrupalla. Der Malermeister holte sich mit 32,4 Prozent das Mandat. Kretschmer, seit 2009 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, kam auf 31,4 Prozent. Selbst in seiner Heimatgemeinde Markersdorf, zu der auch Friedersdorf gehört, hat ihn Chrupalla übertrumpft.

Ausgerechnet Kretschmer, der als Generalsekretär die Sachsen-CDU nach bayerischem Vorbild ausrichtete, war das prominenteste Op