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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
Schluss jetzt!
Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

An der Kante

von Thomas Gerlach vom 08.06.2018
Wie der neue CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer Sachsen vor der AfD retten will

Die Ursula-Kirche in Friedersdorf bei Görlitz, schönster Bauernbarock, leuchtet wieder schneeweiß. Wer sie betritt, ahnt nicht, dass sie fast eingestürzt wäre. Wilfried Renger steht neben dem goldglänzenden Taufengel und könnte stundenlang erzählen über den Verfall und die Rettung der Dorfkirche. Er hat viele Jahre den Kirchbauverein geleitet, beim letzten Bauabschnitt klemmte es plötzlich. Da kam der Joker ins Spiel: Wohnt nicht Michael Kretschmer, der junge CDU-Bundestagsabgeordnete, im Nachbardorf? Der könnte doch helfen. »Er konnte sich das Geld ja auch nicht aus den Rippen schneiden«, sagt Renger. Aber in Dresden anrufen, etwas Druck machen, das schon.

Der Blick ins Schiff genügt, um zu wissen, dass der Plan voll aufgegangen ist. Und am Tag der Einweihung hatte Kretschmer noch eine Überraschung parat. Aus dem Kofferraum zog er einen Teppich und rollte ihn vor den verdutzten Friedersdorfern vorm Altar aus. Passgenau aus feinstem Sisal. Renger strahlt. »Wenn Kretschmer Ja sagt, meint er auch Ja.« Kurzum, ein Mann wie die Oberlausitz – bodenständig, konservativ und mit praktischer Ader.

Geholfen hat das Kretschmer nicht. Der 24. September 2017, der Tag der Bundestagswahl, endete für ihn im Debakel. Er verlor seinen Wahlkreis an einen Nobody, den AfD-Kreisvorsitzenden Tino Chrupalla. Der Malermeister holte sich mit 32,4 Prozent das Mandat. Kretschmer, seit 2009 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, kam auf 31,4 Prozent. Selbst in seiner Heimatgemeinde Markersdorf, zu der auch Friedersdorf gehört, hat ihn Chrupalla übertrumpft.

Ausgerechnet Kretschmer, der als Generalsekretär die Sachsen-CDU nach bayerischem Vorbild ausrichtete, war das prominenteste Opfer beim Aufstieg der AfD. In Sachsen kam sie mit 27 Prozent auf Platz eins und entthronte die CDU, die seit der Wiedergründung des Freistaates 1990 unangefochten die stärkste Partei war. Im Sommer 2019 ist Landtagswahl. Wenn Kretschmer kein Gegenmittel findet, könnte Sachsen das erste Bundesland werden, in dem die AfD einen ganzen Flächenstaat erobert.

Die Schulrebellen

Es wird also Zeit, dass Kretschmer mit seinen Sachsen ins Gespräch kommt. Eine Art Runder Tisch wäre gut, ein »Sachsengespräch«. Am Abend weht ein Banner am Bürgerhaus Niesky und offeriert genau das. Kretschmer hat dieses offene Format eingeführt. Der CDU-Chef, rote

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