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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
Schluss jetzt!
Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

Wehe, wenn du Pflege brauchst

Ambulante Dienste können Alte nicht mehr ausreichend versorgen

Es soll so aussehen, als hätte die Bundesregierung begriffen, wie dramatisch die Situation in der Altenpflege ist. 13 000 zusätzliche Stellen in Heimen sollen eingerichtet werden – statt 8000, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen. Das Problem dabei ist, dass schon jetzt viele offene Stellen nicht besetzt werden können. Es fehlt an ausgebildeten Pflegern. Viele von ihnen verlassen nach wenigen Jahren den Beruf, weil er so aufreibend und schlecht bezahlt ist. Wie also diese neuen Stellen besetzen?

Noch schlimmer ist, dass die Regierung nur die Pflegeheime in den Blick nimmt, nicht aber die ambulante Pflege. Die Mehrzahl der Pflegebedürftigen wird zu Hause von Angehörigen versorgt, häufig mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes. Auch bei diesen wird der Personalmangel immer größer. In Niedersachsen haben Caritas, Diakonie und Paritätischer Wohlfahrtsverband gerade vor einem Pflegenotstand gewarnt. Ihre ambulanten Pflegedienste können vielerorts alte und kranke Menschen nicht mehr ausreichend versorgen. Neue Kunden werden deshalb abgewiesen und manche bestehenden Pflegeverträge sogar gekündigt, weil es an Fachkräften fehlt. Ähnliches erlebte die Autorin gerade im Rhein-Main-Gebiet, als sie für ihre Mutter einen solchen Pflegedienst suchte. Von zwölf angefragten sagten zehn rundweg ab. Einer bot eine Minimalversorgung an. Erst Nummer zwölf gab eine mündliche Zusage. Das alles sind Symptome dafür, dass das Altenpflegesystem immer stärker ins Rutschen gerät, sodass es »uns unter dem Hintern wegzubrechen droht«, wie der Sozialexperte Stefan Sell warnt. Es ist allerhöchste Zeit, »Pflege« ganz oben auf die politische Agenda zu setzen und