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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
Schluss jetzt!
Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

Spiritprotokoll: Das Geheimnis im Bild

Harmjan Dam ist reformierter Protestant. Er hat sich lange bemüht, den Glauben mit Worten zu erklären – bis er seine erste Ikone malte

Wenn ich eine Ikone male, vergesse ich die Zeit. Bei Meditationsübungen werde ich sogar eher hibbelig, wenn man mir sagt, ich soll ganz ruhig werden. Aber wenn ich Ikonen male, bin ich so konzentriert, dass alles um mich herum unwichtig wird. Ich fange an, mich in die Geschichte und die Figuren einzufühlen, und wie von selbst kommen mir dabei auch theologische Gedanken. Als reformierter Protestant komme ich aus einer bilderlosen Tradition und hatte vorher keinen Zugang zu Ikonen und auch nicht zu Maria. Aber als ich die Ikone »Mutter Gottes« malte, dachte ich plötzlich: Wie können wir uns das vorstellen, dass wir Gott in uns tragen? Dafür steht Maria nun für mich: dass Gott in uns wohnt. Das ist ein mystischer Gedanke, der mir nicht gekommen wäre, wenn ich nicht so lange an ihrer Ikone gemalt hätte.

Die Vorstellung, sich mit nur einem Bild so lange zu beschäftigen, ist in unserer Zeit der Bilderflut schon ziemlich schräg. In der Regel malt man bis zu fünf Tage an einer Ikone. Aber ich mag es, dass in dieser Zeit allmählich etwas entsteht, das man am Ende in den Händen halten kann. So habe ich im Ikonenmalen meinen spirituellen Weg gefunden.

Man beginnt immer mit den dunklen Flächen. Dann geht man Schritt für Schritt in die helleren Farbtöne über – malt also vom Dunkel ins Licht. Das ist wie im Leben. Oft neigen wir ja dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Aber die Frage, die uns weiterhilft, lautet: »Wie kann ich Licht ins Dunkel bringen? Was hellt auf?« So ist es auch beim Malen der Ikone: Das Bild hellt sich immer mehr auf. Das Dunkel tritt in den Hintergrund. Und das Bild wird lebendig. Damit lerne ich etwas für mein Leben, ohne Worte dafür zu brauchen.

So kann ich m