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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2016
Klare Kante, neue Hoffnung
Der Katholikentag in Leipzig
Der Inhalt:

Vorgespräch : Wieso fährt Gott auf dem Fahrrad?

von Andrea Teupke vom 10.06.2016
Fragen an Ralph Fischer, der für die Evangelische Akademie Frankfurt eine »literarische Radtour« anbietet

Publik-Forum: Herr Fischer, Sie laden ein zu einem Studientag unter dem Titel »Auf dem Fahrrad mit Gott«. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?

Ralph Fischer: Die Niederlande sind in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Deshalb wollten wir gemeinsam mit dem Hans-von-Soden-Institut für theologische Forschung einen Studientag anbieten, der sich mit Religion, kulturellem Erbe und Identität in der niederländischen Gegenwartsliteratur befasst. Wir werden dazu verschiedene Vorträge hören. Ein wichtiger Aspekt ist aber, dass wir uns auch tatsächlich aufs Rad schwingen und am Mainufer entlangfahren. Dort gibt es dann eine kleine Lesung aus dem Buch »Gott fährt Fahrrad« von Marten ’t Haart.

Was haben denn Fahrräder mit Gott zu tun?

Fischer: Im literarischen Werk von Marten ’t Haart werden oft religiöse Fragen anhand von Phänomenen oder Gegenständen der Alltagswelt verhandelt, und das können tatsächlich auch Fahrräder sein. In dem Roman »Gott fährt Fahrrad« berichtet der Autor, wie der noch kindliche Ich-Erzähler auf dem Deich am Meer einem Mann begegnet, den er für Gott hält. Er sieht den Mann nur schemenhaft, und Gott ist sehr ambivalent aufgeladen, eine Art Gerichtsinstanz, vor der er sich auch fürchtet.

»Auf dem Fahrrad mit Gott« ist also sowohl metaphorisch als auch praktisch gemeint ...

Fischer: Wir dachten, dass der Titel sehr schön die religiöse Idee des Unterwegsseins aufgreift. Kultur ist ja ein Prozess, sie ändert sich ständig. Auch im christlichen Verständnis ist das Leben ein Unterwegssein, eine Lebensbahn. Dafür ist natürlich das Fahrrad ein schönes Motiv: Man ist nicht wie im Auto oder gar im Flugzeug abgeschirmt, sondern der Regen und der Wind pfeifen einem direkt um die Ohren ...

Auf dem Studientag wird aber trotzdem nicht den ganzen Tag geradelt?

Fischer: Nein, es gibt eine bunte Mischung: Der Autor und Theologieprofessor Klaas Huizing spricht darüber, wieso in der niederländischen Gegenwartsliteratur gerade die Alltagswelt so häufig religiös aufgeladen wird. Beatrix van Dam beschreibt dann aus philologischer Sicht, welche Rolle das Ringen mit dem Erbe in den niederländischen Romanen spielt: Es geht dort oft um eine

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