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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2016
Klare Kante, neue Hoffnung
Der Katholikentag in Leipzig
Der Inhalt:

Polylux – viel neues Licht in der Platte

von Thomas Seiterich vom 10.06.2016
Düstere Aussichten? Gemeinden erfinden neue Formen dort, wo die alte Gestalt von Kirche untergeht

Die alte Gestalt von Kirche im Sinne von Betreuungskirche vergeht vor unseren Augen«, sagt Christian Hennecke, Seelsorgeamtsleiter im Bistum Hildesheim. Als er hinzufügt: »Dies muss uns nicht deprimieren«, stimmt ihm Gerhard Feige, der Bischof von Magdeburg, lebhaft zu. Feige: »Die Not hat bei uns früher angefangen als in anderen Bistümern. Deshalb sind wir im Norden voraus.«

Feige, durch und durch Ossi – ein körperlich kleiner Mann mit Vollbart, der einen betont einfachen Amtsstil lebt –, berichtet: »Wir sind 84 000 Katholiken auf 23 000 Quadratkilometern; 80 Prozent der Bürger sind nichtkirchlich, 15 Prozent Protestanten, der kleine Rest Katholiken, Juden und Muslime. Seit 2010 gibt es 44 Pfarreien.« In den Pfarrei-Verwaltungseinheiten leben vielerlei Gemeinden. »Aktuell suchen wir in meiner Großpfarrei im Norden von Halle Laien, die die kleinen Gemeinden vor Ort leiten«, berichtet Pfarrer Magnus Koschig.

Die Erneuerungsarbeit der Gemeinden und katholischen Kirchenstrukturen findet in den ausgedünnten Nord- und Ostbistümern statt, etwa in Hildesheim oder Magdeburg. Derweil hinkt der bis heute christentümlich geprägte Süden und Westen mit seinen üppigen amtskirchlichen Apparaten und Heerscharen von Kirchenbediensteten verzagt hinterher. Offenbar gilt: Erst wenn die Not echt groß ist, bewegt sich in der offiziellen Kirche etwas.

Was kann der Süden vom Norden lernen? Zunächst: Die Prozesse der Erneuerung sind kein Zuckerschlecken. Bischof Feige sagt: »Reich an Konflikten, keine Erfolgsgarantie.« Wie also Menschen finden, die künftig als Ansprechpartner die Gemeinde vor Ort leiten, wenn es weit und breit keine Hauptamtlichen mehr gibt? »Wir eilen nicht bei der Personensuche; wir setzen auf das Charisma der Präsenz und der Verlässlichkeit«, sagt die Gemeindeentwicklerin Nicole Muke, »wobei diese Charismen zumeist mit der Gabe einhergehen, sich selbst nicht breitzumachen, sondern anderen Raum zu geben.«

Viele Gemeinden kennen die triste Erfahrung: Die Bistumsleitung schickt einen neuen Pfarrer und der macht alles, was sich vor Ort entwickelt hatte, kaputt. Solche Pfarr-Herren sind nicht mehr gefragt im Norden. »Eine der neuen, komplexen Aufgaben ist es, Priester für die neuen Gemeinden zu finden oder auszubilden – geistliche Begleiter, die passen; die die Entwicklung mittragen«, berichtet Christian Hennecke. Bischof Feige stimmt zu: besser kei

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