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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2016
Klare Kante, neue Hoffnung
Der Katholikentag in Leipzig
Der Inhalt:

»Nur die fetten Pferde füttern«

von Bettina Röder vom 10.06.2016
Wirtschaft im Kapitalismus: Welche Zukunft wollen wir? Der Katholikentag zwischen Pragmatismus und Ungeduld

Auf der Treppe zum Leipziger Rathaus stehen sie mit Transparenten in der Mittagssonne. »Rüstung stoppen«, steht darauf. Mariotte Hillebrand, eine junge Frau von der Gemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern in Frankfurt am Main, sagt: »Ich stehe hier, weil Wirtschaftsminister Gabriel kommt und wir ihm klarmachen wollen, dass wir Grenzen für Waffen schließen müssen statt für Flüchtlinge.« Dann geht ein Raunen um: »Jetzt kommt er.« Der Minister steigt aus einer der schwarzen Limousinen, läuft die Treppen hinauf und bleibt vor den Demonstranten stehen. »Warum haben Sie Waffenexporte nach Saudi-Arabien genehmigt, die Exporte der Kleinwaffen forciert?«, ruft Verleger Thomas Meinhardt, ein Pax-Christi-Mann. »Habe ich doch gar nicht«, sagt Sigmar Gabriel, die Hände vor dem Bauch verschränkt. »Doch, das haben Sie«, beharrt Meinhardt. »Wollen wir um Ihr Auto wetten?«, fragt der Minister. »Habe gar keins«, entgegnet kampfeslustig der Demonstrant. »Na sehnse, Heckler und Koch hat mich übrigens verklagt«, sagt Gabriel. Dann verschwindet er nach einem Gespräch mit einer weiteren Demonstrantin im Rathaus. Hier hätte schon vor einigen Minuten die Veranstaltung zur Energiewende beginnen müssen.

Diese kleine Szene macht einiges deutlich: erstens, viele der Besucherinnen und Besucher des Katholikentreffens sind hochpolitisch, drängen auf Antworten auch vonseiten der Politik. Zweitens, Dialoge sind angesagt, Begegnungen, die Fremdheit abbauen helfen. Die drängenden Themen werden in Zusammenhängen diskutiert und gesehen. Wirtschaft, das große Thema, hat natürlich auch mit der Rüstung zu tun. Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich wird diskutiert, aber auch die Freihandelsabkommen mit den USA und Kanda, TTIP und Ceta, brennen vielen unter den Nägeln. Ebenso der Klimawandel und der von Deutschland auf den Weg gebrachte Energieumbau. Um den geht es im Rathaus mit Sigmar Gabriel.

Die Folgen des Wachstums

Der erklärt zunächst, dass der Kampf gewonnen sei, und verweist darauf, dass 2022 das letzte Kernkraftwerk in Deutschland vom Netz geht. Doch dann relativiert er: Da ist das Problem, dass die erneuerbaren Energien schneller ausgebaut wurden als das Netz, mit dem sie transportiert werden. Da wäre aber auch der Widerstand von Teilen der Bevölkerung gegen die E

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