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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

»Nur Sandsäcke schleppen?«

von Bettina Röder vom 14.06.2013
Probleme von Politik und Bürgern mit dem letzten frei fließenden Fluss Mitteleuropas, der Elbe. Fragen an Ernst Paul Dörfler

? Herr Dörfler, die Kanzlerin wie der Bundespräsident sind in die Katastrophengebiete geeilt. Wie geht es Ihnen bei diesen Bildern?

! Leider spielt der Umgang mit unseren Flüssen in der führenden Politik nur dann eine Rolle, wenn eine Katastrophe eingetreten ist und es darum geht, Wahlgeschenke zu verteilen. Sobald die Pegel sinken, sinkt die Bereitschaft, etwas zu ändern.

? Die Elbe ist der letzte frei fließende Fluss Mitteleuropas. Was müsste passieren?

! Eine Kehrtwende in der Politik. Bis jetzt haben sich unsere regierenden Politiker vor allem dafür eingesetzt, die Elbe zu einer zuverlässigen Wasserstraße auszubauen.

? Reichte da die Erfahrung von 2002 nicht aus?

Von 2002 bis 2004 war Bauruhe. Dann hat sie Manfred Stolpe wieder aufgehoben. Er hat wie alle anderen Verkehrsminister Geld in Investitionen gesteckt, um die Befahrbarkeit zu verbessern. Dafür wurden jedes Jahr 40 Millionen Euro ausgegeben.

? Mit welchem Ergebnis?

! Die Ziele, die ganzjährige Befahrbarkeit und die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Elbe, wurden nicht erreicht. Das Geld wurde an der falschen Stelle ausgegeben: Der Elbe wurde ein enges Korsett angelegt. Dabei wurden ihr schon 85 Prozent der natürlichen Überschwemmungsfläche im Laufe der Zeit entzogen.

? Was könnte getan werden?

! Da gibt es zwei Wege. Erstens die alten Deiche aufrüsten. Damit hat der Fluss aber nicht mehr Platz gewonnen. Der andere Weg, der wurde versäumt: dem Fluss dort Fläche anzubieten, wo die Menschen nicht wohnen. Das Besondere an der Elbe ist die geringe Siedlungsdichte in der Umgebung. Wir haben zwischen den Orten fünf bis zehn Kilometer nichts. Das sind Flächen, wo die Deiche zurückgebaut werden könnten, damit das Wasser in die Breite fließt.

? Was müsste in der Politik passieren?

! Erstmal Ehrlichkeit. Die Politik behauptet, allein DIN-gerechte Deiche und Staustufen schützten uns vor Hochwasser. Das ist nicht haltbar. Wir brauchen Überschwemmungsflächen.

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