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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

Die Tabubrecherin

von Eva-Maria Lerch vom 14.06.2013
Zana Ramadani, Ex-Muslima und CDU-Mitglied, kämpft mit nackten Brüsten für die Rechte von Frauen

Ihr Auftritt läuft nur drei Sekunden – aber zur besten Sendezeit. Mitten im Finale von Germany’s Next Topmodel stürmen zwei Frauen auf die Bühne, ziehen blitzschnell ihre Oberteile aus und strecken der Moderatorin Heidi Klum ihre nackten Brüste entgegen: »Heidi’s Horror Picture Show« steht auf ihren Oberkörpern. »Ich habe kein Foto für dich heute«, brüllt eine der beiden der Moderatorin entgegen. Es ist der Spruch, mit dem Klum die durchgefallenen Kandidatinnen aus ihrer Show nach Hause schickt. Dann ist sofort die Security da, kräftige Männer tragen die Störerinnen unsanft von der Bühne, der Sender schaltet auf eine andere Kamera um.

Mit der provokativen Aktion wollen die Aktivistinnen von Femen gegen den zynischen Umgang mit den jugendlichen Bewerberinnen und das sexistische Frauenbild protestieren, das in der Model-Castingshow propagiert wird. »Heidi Klum macht vielen Mädchen auf diese Weise das Leben kaputt«, sagt Zana Ramadani, nachdem sie den Pullover wieder angezogen hat. Die 29-jährige Rechtsanwaltsfachangestellte gehört zu den Gründerinnen der deutschen Sektion von Femen, die mit nackten Brüsten gegen die Unterdrückung von Frauen protestiert. Im April stand sie oben ohne vor einer Berliner Moschee, um für ihre Mitstreiterin Amina zu kämpfen, die in Tunesien von Islamisten verfolgt wird, im Januar zog sie mit anderen Barbusigen durch St. Pauli, um die Zwangsprostitution anzuprangern.

Der Kampf für Frauenrechte – ausgerechnet mit nackter Brust? Das sei ein »Marketing-Trick«, rechtfertigt Zana Ramadani ihre Protestform. »Die Medien würden sich für Zwangsprostitution und Menschenhandel nicht interessieren, wenn wir angezogen demonstrieren würden.« Den Unterschied zu barbusigen Models sieht sie in der Haltung: »Wir stolzieren erhobenen Hauptes mit unserer nackten Brust. Das will die Gesellschaft ja nicht sehen. Sie will nackte Weibchen, aber nicht diese starken Frauen. Das ist der Tabubruch.«

Bei ihr wirkt dieser Tabubruch sogar besonders krass. Zana Ramadani lebt im ländlichen Siegerland und stammt aus einer islamischen Familie. Sie ist in Skopke geboren, kam erst im Grundschulalter von Mazedonien nach Deutschland. Ihre Eltern werden oft auf die Provokationen ihrer Tochter angesprochen. »Das nimmt sie mit«, sagt Zana, »aber da müssen sie leider durch.« Sehr viel Rücksicht auf ihre Herkunft hat si

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