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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Hier vergötzt, dort verachtet

von Norbert Copray vom 05.06.2012
Die Einstellung der Menschen zu den Tieren muss sich ändern

Anton Rotzetter Streicheln, mästen, töten Warum wir mit Tieren anders umgehen müssen. Unter Mitarbeit von Annette Maria Forster. Herder. 197 Seiten. 14,99 €

Auf der einen Seite werden Haustiere umsorgt, ja teilweise verhätschelt. Bestes Fleisch, aufgemotzte Leckerli, Strickjacken im Winter und regelmäßigerFriseurtermin gehören oft zum Standardprogramm für Hund und Katze. Fünfzehn Prozent der »Herrchen« und »Frauchen« lassen ihren Hund im eigenen Bett mitschlafen. Auf der anderen Seite werden Tiere in Massentierfabriken gehalten, geschlachtet, hergerichtet, durch den Wolf gedreht. Hier teures Umsorgen, dort herabwürdigendes Fleddern. Hier Tiervergötzung, dort Tiermissachtung. Das betrifft nicht alle Tierhalter und Fleischesser, aber doch mehr, als Tier und Mensch guttut.

Mit »Streicheln, mästen, töten« hat der renommierte Theologe und Kapuzinerpater Anton Rotzetter jenen Dreischritt in den Titel seines neuen Buches geschrieben, mit dem die Menschen ihr Verhältnis zum Tier gestalten. Unter Mitarbeit von Annette Maria Forster, Geschäftsführerin und Mitgründerin der Schweizer Arbeitsgemeinschaft Kirche und Tiere (AKUT), ist ein Buch gelungen, das die Extreme meidet und für einen Umgang mit Tieren eintritt, der ihre Würde wahrt. Tierversuche, Tierfabriken, Tiertransporte, Tötung, Dressur und Ausbeutung werden informativ, kritisch und lebensnah untersucht. Lebensnah, weil in den meist kurzen Kapiteln Erfahrungen, Gespräche und Reflexionen von Rotzetter und Forster einfließen. Beide machen es sich nicht einfach. Sie neigen nicht zu holzschnittartigen Dogmen. Nur ein Punkt ist ganz klar: »Der Massenfleischkonsum ist heute der größte umweltzerstörende Faktor. Das Gerechtigkeitsempfinden verlangt eine radikale Umstellung der Ernährungsweise des Menschen.«

Und: Auch das Tier darf nicht zum bloßen Mittel herabgewürdigt werden, sondern hat seinen eigenen Zweck. »Es hat Rechte, die geschützt werden müssen, eine Würde, die geachtet werden will.« So hat der Schweizer Anwalt Antoine F. Goetschel dafür gesorgt, dass die Würde der Tiere in der Schweizer Verfassung verankert wurde. In seinem Buch »Tiere klagen an« (Scherz) zeigt er klare Kante gegen nahezu alle Umgangsformen des Menschen mit Tieren, die weithin für legitim gehalten oder unkritisch praktiziert werden. Goetschel: »Warum landet die Katze auf dem Schoß und

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