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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2020
»Die Zeit läuft uns weg«
Ein Gespräch mit Georg Bätzing
Der Inhalt:

»Jetzt erst recht!«

von Annette Lübbers vom 29.05.2020
Inge Heimer engagiert sich in Kandel bei »Omas gegen rechts« – und wird von Neonazis beschimpft und bedroht
Bu machen (Foto: PA/DPA/Christoph Soeder)
Bu machen (Foto: PA/DPA/Christoph Soeder)

Ich wurde schon als »Hexe« und als »Asoziale« beschimpft und auf der Straße von Nazis eingekreist. Fotos von mir und von unserem Haus wurden auf Facebook veröffentlicht, um mich einzuschüchtern. Das ist entsetzlich! Doch aufhalten lasse ich mich dadurch nicht. Ich sage mir: Jetzt erst recht!

Als im Dezember 2017 ein Mädchen von ihrem afghanischen Exfreund in Kandel erstochen wurde, wurde unsere Stadt Aufmarschgebiet der Rechten. Ein Gebäude, das Asylbewerberheim werden sollte, und die Kleiderkammer des Roten Kreuzes wurden angezündet. Und es gab viele rechte Demonstrationen hier in der Stadt. 2018 habe ich zusammen mit anderen die Kandeler Sektion von »Omas gegen rechts« gegründet und begonnen, Gegenproteste zu organisieren.

Bundesweit sind wir schon etwa 1500 Omas – und Opas! Und es werden immer mehr! Vor der Corona-Krise waren wir mit Infoständen in der Stadt präsent. Wir sammeln auch Informationen über die rechte Szene, das kann man auch in Corona-Zeiten tun. Besonders auffällig hier in Kandel ist eine selbsternannte »Patriotenclique«. Die Typen fahren zum Beispiel mit dem Auto um die Moschee, während aus dem Lautsprecher das Deutschlandlied ertönt – mit allen drei Strophen.

Bei einer Demo haben meine Mitstreiterinnen und ich schon die Bekanntschaft mit Schlagstöcken und Pfefferspray gemacht. Die Polizei hatte uns einen Weg vorgegeben, den wir zu einem rechten Aufmarsch am Bahnhof nehmen sollten. Aber der Weg war zu lang und wir mussten uns sputen. Angeblich haben wir dann auf einen Stopp-Ruf nicht rechtzeitig reagiert. Ein anderes Mal hat ein Polizist eine Mitaktivistin als »linke Zecke« bezeichnet. Solche Erle

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