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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2018
Frieden in einer irren Welt
Katholikentag 2018: Ängste, Ideen, Sehnsüchte
Der Inhalt:

Friedenslichter in Münster: Unter der Lambertikirche

Ein weißer Heliumballon zappelt unter dem Gewölbe der Lambertikirche. Gleich beginnt das Mittagsgebet mit mennonitischen, katholischen und evangelischen Geistlichen. Die Mennoniten sind Nachfahren der Täufer. Die Reformationsbewegung trat für Gewaltlosigkeit und die Einführung der Erwachsenentaufe ein – doch in Münster errichteten fromme Fanatiker 1534 einen apokalyptischen Gottesstaat. Die Rückeroberung der Stadt geriet zum Gemetzel. Die Anführer des Täuferreiches wurden gefoltert und erdolcht. Die Käfige, in die man ihre Leichen steckte, baumeln noch heute am Kirchturm. Jetzt wird um Versöhnung unter Täuferkäfigen gebetet. Meine Augen wandern zum Luftballon. Seine Farbe erinnert an Frieden, aber auch an Kapitulation. Sein nervöses Zittern an religiöse Energie, aber auch an ruhelose Seelen. Dann beginnt das Gebet. Das Duo Bohemico legt einen Klangteppich aus. Die Texte zeugen vom Bemühen um besseres Verstehen. Man bekennt, dass man in polemischen Vorurteilen gefangen war. Dann folgt das Vaterunser. Als ich wieder zur Decke blicke, ist der Luftballon verschwunden. Dafür ist die Apsis in ein morgenfrisches Blau getaucht.