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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2018
Frieden in einer irren Welt
Katholikentag 2018: Ängste, Ideen, Sehnsüchte
Der Inhalt:

»Es geht ums Überleben«

vom 25.05.2018
Gabriele Pulm-Muhr, Caritas, über den Alltag im Transitzentrum Manching

Publik-Forum: Frau Pulm-Muhr, Sie sind als Caritas-Asylberaterin jede Woche im Transit-Zentrum Manching. Wie nehmen Sie den Alltag dort wahr?

Gabriele Pulm-Muhr: Das Leben in der Unterkunft ist vom Überleben geprägt – nicht materiell oder physisch, aber psychisch. Die Perspektivlosigkeit ist bedrückend. Die Menschen wissen nicht, wie es mit ihnen weitergeht, sie bleiben über Monate hinweg im Ungewissen und leben während dieser Zeit völlig isoliert. Das Nichtstun ist besonders schlimm: Sie dürfen nicht arbeiten, nicht kochen, keinen Besuch bekommen. Und sie sind bei all dem fremdbestimmt. Das treibt einige in die Depression, andere in die Aggression. Für die Frauen und Kinder ist es besonders hart.

Warum?

Pulm-Muhr: Viele Nigerianerinnen kommen aus der Zwangsprostitution, wurden während der Flucht vergewaltigt. Nun sind sie in Mehrbettzimmern untergebracht, die sie nicht abschließen können. Nachts kommen dort Männer vom Sicherheitsdienst rein. Sie kontrollieren zum Beispiel, ob kein Essen hineingeschmuggelt wurde. Auch wenn Abschiebungen stattfinden, kommt die Polizei meist nachts. Für Kinder, die so etwas immer wieder erleben, ist das besonders traumatisierend. Sie wachsen in einer Atmosphäre der Angst auf.

Wie können Sie da helfen?

Pulm-Muhr: Wir leisten psychosoziale Beratung, hören zu. Und wir erklären, wie so ein Asylverfahren überhaupt abläuft. Außerdem ist der Brückenbau in die Gesellschaft unser Auftrag, aber dieser Teil fällt sehr schwer aufgrund der Isolation. Das ist wie eine Blackbox, die Deutschen sind gar nicht informiert über das, was da drinnen passiert. So entstehen auch Vorurteile: Wenn die Geflüchteten ihre Busfahrkarte mit einem Hundert-Euro-Schein bezahlen, ist das ein komisches Signal. Die Ingolstädter wissen ja nicht, dass die 126 Euro, die den Flüchtlingen monatlich zustehen, mit einem Hunderterschein ausbezahlt werden.

Mit welchen Problemen kommen die Menschen zu Ihnen in die Beratung?

Pulm-Muhr: Häufig geht es um Fragen des Familienzusammenhalts. Da muss die Vaterschaft anerkannt werden oder es fehlen Heiratsurkunden. Davon hängt es aber ab, ob einer Familie gemeinsam Asyl gewährt wird. Außerdem klagen viele über den enormen Druck, unter dem

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