Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2018
Frieden in einer irren Welt
Katholikentag 2018: Ängste, Ideen, Sehnsüchte
Der Inhalt:

Der Baumeister

von Barbara Tambour vom 25.05.2018
Gerhard Dust schafft, was als unmöglich galt: Er baut Häuser aus Wüstensand. Für Flüchtlinge und Slumbewohner. Doch die Widerstände sind groß

Gerhard Dust baut Häuser aus Wüstensand. Bislang war das unmöglich. Wüstensand konnte nicht zum Bauen verwendet werden, weil der Wind die Sandkörner rund geschliffen hat. Für Beton und Zement taugt er nicht. Doch das Problem ist gelöst. Sein Kollege hat ein Verfahren entwickelt, in dem eine Mischung aus Kunstharz und Wüstensand zu Hohlblocksteinen gegossen wird. Die sind leicht, stabil und wasserfest. Ideal, um in Windeseile einfache Häuser für Familien zu bauen – in Slums und nach Naturkatastrophen.

Der Mann mit den raspelkurzen grauen Haaren ist weder Spinner noch Erfinder, sondern ein scharf kalkulierender Ökonom. Zuletzt war er Logistik-Chef von Libri, dem Bücher-Großhändler, und Mitinhaber mehrerer erfolgreicher Start-up-Unternehmen. Als ihm das Karrieremachen vor zehn Jahren zu fad wurde, zog er mit Frau und Tochter nach Florida. Dort arbeitete er gerade auf dem Golfplatz daran, sein Handicap zu verbessern, als im nur tausend Meilen entfernten Haiti die Erde bebte. Und seinem Leben eine neue Wende gab.

»Wenn ich an die Menschen dachte, die erst in Trümmern lebten, dann in Zelte gepfercht wurden, empfand ich körperliche Schmerzen«, sagt Dust. Er erinnerte sich an einen Ingenieur, der ihn als Investor für ein Projekt gewinnen wollte, um aus Wüstensand Beton herzustellen. »Die Idee war toll, das Businesskonzept aber unausgereift«, sagt er trocken.

Nach dem Beben in Haiti trifft Dust sich mit dem thüringischen Ingenieur Gunther Plötner. Sie entwickeln die Idee von »Polymerbeton« weiter, wie das Gemisch aus Sand und Kunstharz heißt, und lassen das Verfahren patentieren. Noch im selben Jahr gründen sie in einer alten Backsteinhalle im thüringischen Gehlberg, in der einst Wilhelm Conrad Röntgen seine ersten Röntgen-Röhren herstellen ließ, die Firma PolyCare. Dust ist überzeugt, dass Regierungen und Hilfsorganisationen begeistert von der Möglichkeit sein würden, sichere und regenfeste Häuser zu niedrigen Preisen zu bauen. Er irrt.

Die Hilfsorganisationen und auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR fanden das Projekt »interessant«, verwiesen aber auf langfristige Verträge mit Zeltlieferanten. Außerdem seien die Häuser teurer als Zelte. Das stimmt zwar: Rund 17 000 Euro kostet eines. Dennoch bringt Dust das Argument in Rage: »Im Zelt ist es im Winter eiskalt und nach z

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen