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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

Vorgespräch: Facebook und die Sünden der Welt

Fragen an Regisseur Moritz Riesewieck zu dem Theaterstück »Nach Manila«

Publik-Forum: Herr Riesewieck, Ihr neustes Theaterstück heißt ganz lapidar »Nach Manila«, Sie aber sprechen von einer »Passionsgeschichte des Internetzeitalters«. Warum?

Moritz Riesewieck: Ohne dass wir es mitbekommen, laden auf den Philippinen Tausende Menschen die Sünden der digitalen Welt auf sich – um uns Internetnutzer im Westen davor zu bewahren. Junge Philippinos, überwiegend Frauen, von denen manche erst 18 sind, sitzen den ganzen Tag vor dem Computer und löschen Fotos und Videos, die im Internet kursieren und von Vergewaltigungen über Kinderpornografie bis hin zu Enthauptungen alle Spielarten der Grausamkeit zeigen. So sorgen sie dafür, dass soziale Netzwerke wie Facebook so »sauber« sind, wie wir sie vorfinden.

Für Sie ist es kein Zufall, dass Christen diese Drecksarbeit im Internet übernehmen?

Riesewieck: Nein. Die Philippinen sind streng katholisch, jedes Jahr an Karfreitag gibt es in der Nähe von Manila ein großes Spektakel: Männer lassen sich wortwörtlich ans Kreuz nageln. Das ist die sichtbare Variante der Passionsgeschichte – die unsichtbare sind die Arbeiterinnen, die in schicker Kleidung in Großraumbüros sitzen und den ganzen Tag furchtbare Bilder und Videos ansehen. Für viele dieser Content Manager, die als eine Art digitale Müllabfuhr das Internet durchforsten, ist das mehr als ein Job. Sie sehen es als Mission an, sie sagen aus ihrem Glauben heraus: »Jesus Christus hat für uns gelitten, dann kann auch ich meinen Beitrag leisten, das Böse aus der Welt zu schaffen.«

Sie waren selbst für die Recherchen auf den Philippinen. Was haben Sie dort erlebt