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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2016
Hoffnung für die Stadt
Theologe Jürgen Moltmann über Christsein in den kapitalistischen Metropolen
Der Inhalt:

Kims Sklaven

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 27.05.2016
Nordkorea sendet seine eigenen Bürger als Arbeitssklaven nach Russland. Wer versucht zu fliehen, landet in geheimen Gefängnissen

Dass Nordkorea eine Diktatur ist, in der furchtbare Dinge geschehen, ist bekannt. Eine UN-Kommission schrieb schon vor zwei Jahren von »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« in einem Staat »ohne Vergleich in der Gegenwart«.

Neu ist: Die Macht des Diktators Kim Jong-un erstreckt sich weit über die Landesgrenzen hinaus. In mindestens 16 Ländern weltweit schuften Nordkoreaner als Arbeitssklaven, um Devisen für das Regime zu beschaffen. Das ihnen zustehende Gehalt überweisen Firmen nicht an die Arbeiter, sondern an staatsnahe nordkoreanische Institutionen, die das Geld in den meisten Fällen nie auszahlen. Die koreanische Nichtregierungsorganisation Pscore geht von mindestens 100 000 nordkoreanischen Arbeitssklaven in Übersee aus. Russland ist ein besonders beliebtes »Gastland«. Alleine in der russischen Kleinstadt Tynda im tiefsten Sibirien sollen es Zehntausende sein. Die Praxis, Bürger ins Ausland zu schicken und ihnen ihren Lohn vorzuenthalten, hat bedeutende Auswirkungen auf die nordkoreanische Wirtschaft. »Der Profit, der so erwirtschaftet wird, liegt bei 500 Millionen bis zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr«, schätzen Mitarbeiter von Pscore.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) bestätigt diese Einschätzung. Sie ergänzt, dass Nordkorea im fernen Osten Russlands sogar Geheimgefängnisse für Zwangsarbeiter unterhalte, die einen Fluchtversuch wagen. Um all das aufzudecken, hat der geflohene Nordkoreaner Kim Young-Il die Organisation Pscore vor zehn Jahren gegründet. Auch sein Vater war als Arbeitssklave in Sibirien. Kim Young-Il war 19 Jahre alt und diente als Soldat, als er zusammen mit seiner ganzen Familie »rübermachte« nach China. Die Flucht war lebensgefährlich, doch die Situation in der Heimat noch aussichtsloser. 1996 war das, während der großen Hungersnot. Fünf Jahre lebte die Familie illegal in China, ständig in der Angst, zurückgeschickt zu werden. 2001 kam sie dann endlich nach Südkorea.

Während eines Besuchs in Frankfurt am Main berichtet Young-Il von den Gründen, die viele Nordkoreaner dazu bewegen, ins Ausland zu gehen. »Sie wollen der Isolation entfliehen und Geld verdienen, um ihre Familien ernähren zu können«, erklärt er. Dass sie in Russland Arbeitstage von zwölf Stunden täglich erwarten, ohne Sicherheitsausrüstung oder Winterbekleidung, und dass sie höchstens zehn Prozent ih

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