Der Protestant
Da steht er und wartet am Bach-Denkmal vor der Leipziger Thomaskirche. Wo sonst? Er trägt eine violette Schiebermütze. Auch da steht der Name Bach drauf. Zielstrebig steuert Christian Wolff das kleine Café an, gleich neben dem Bach-Museum. Der ehemalige Pfarrer der Thomaskirche nimmt die Schiebermütze ab, lässt sich in den Stuhl fallen. »Dieser Termindruck«, stöhnt er leise und schaut von unten durch die runde Brille. Ein Vernarrter in den großen Sohn der Messestadt? Ein etwas kauziger Bürger? Christian Wolff ist alles andere als das. Er ist weltoffen, hochpolitisch. Ein Protestant im wahrsten Sinne des Wortes, der auch mal aneckt, schön unbequem werden kann. Die Neonazis, die immer mal wieder versucht haben, in der Stadt der Friedlichen Revolution Fuß zu fassen, haben das hautnah zu spüren bekommen. Mit dem Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt in Dresden hat er sich so manches mal angelegt. Und jetzt der Katholikentag. Für den hat er sich ausdrücklich eingesetzt, zwei Veranstaltungen vorbereitet, eine mit Muslimen. »Nur wissen Sie«, wieder stöhnt er leise, »dieser Katholikentag ist so furchtbar hierarchisch.« Seiner durch und durch protestantischen Seele ist das fremd.
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