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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

»Nein zu sagen kann ein Segen sein«

von Bettina Röder vom 23.05.2014
Gorlebener Gebet gegen Atomkraft: Warum Elisabeth Hafner-Reckers jeden Sonntag zum Beten in den Wald geht

Sonntags um 14 Uhr müssen wir da sein: zum Gor lebener Gebet. Die Waldlichtung, auf der es stattfindet, liegt zwanzig Kilometer von unserem Haus in Lüchow entfernt. Ich bin Yoga-Lehrerin und halte oft Kurse bis Sonntagmorgen. Dann verabschiede ich die Teilnehmer, esse mit meinem Mann zu Mittag und fahre um halb zwei mit dem Auto los. Das Gor lebener Gebet findet schon seit 25 Jahren regelmäßig statt, seit sieben Jahren bin ich dabei und organisiere es mit. Wir sind so etwas wie der spirituelle Teil des Widerstands gegen das Atommüll-Lager.

Zu dem halbstündigen Gebet kommen zwanzig, manchmal auch 200 Menschen. Wir sitzen auf Strohballen unter drei Holzkreuzen. Durch eine Schneise im Wald können wir den viereckigen Turm des Erkundungsbergwerks sehen. Das Verbuddeln radioaktiver Abfälle in Salz wird dort geprobt. Reihum bereitet einer von uns das Gebet vor, spricht über das, was ihm am Herzen liegt. Wir beten und singen. Da komme ich zu mir, sammle Kraft in der Gemeinschaft. An das erste Mal, als ich das Gebet vorbereitet habe, erinnere ich mich genau. Es war ein warmer Tag im Frühjahr 2008. Ich habe über die Geschichte des Judentums gesprochen: das Volk Israel, das sich nicht an die Gesetze hielt, die doch Wohlstand und Reichtum versprachen. Ich bin fest davon überzeugt: An der richtigen Stelle Nein zu sagen kann ein Segen sein. Auch mit dem Protest gegen die Atomkraft ist das ja so.

Wenn die mit Atomabfällen beladenen Castoren rollen, sitzen wir am Sonntag davor beisammen und verteilen die Arbeit. Ich mache Pressearbeit, koche Kaffee und nehme in unser Haus viele Gäste auf. Und natürlich sind wir auch bei der Blockade dabei, gemeinsam mit Propst Stephan Wichert-von Holten, der so etwas wie das Gesicht des gewaltlosen Widerstands ist. Demnächst, am 29. Juni, feiern wir das 25-jährige Bestehen des Gorlebener Gebets.

Zum ersten Mal habe ich davon durch meine Freundin Elke Mundhenk gehört, die in Dannenberg Bürgermeisterin ist. Das ist acht Jahre her, ich war Yoga-Lehrerin in Bremen, und meine Ehe ging gerade zu Bruch. In Lüchow habe ich dann meinen jetzigen Mann kennengelernt. Mein großes Glück. Der Widerstand hier hat viel mit meinem Leben und meinem Beruf zu tun. Wenn ich nach einem Yoga-Kurs in die befreiten Gesichter von Menschen sehe, die wieder zu sich gekommen sind, möchte ich weinen. Denn darum geht es ja: »Steh auf von deiner Matte und versuch der Wel

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