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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Glaubt nur, wer zahlt?

von Thomas Seiterich vom 28.05.2010
Streit um die Kirchensteuer: Der Kirchenrechtler Hartmut Zapp scheiterte vor Gericht. Nun will er in Rom klagen

Alles paletti für die Oberkirche? Sie klagte, mit Erfolg. Der vom Erzbistum Freiburg angerufene Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg will sich nicht in den innerkirchlichen Streit einmischen. Er entschied am 4. Mai, dass ein teilweiser Kirchenaustritt nach geltender Rechtslage unmöglich ist. Es sei Sache der Kirche selbst, andere Wege zu dulden oder zu ermöglichen. Einen teilweisen Kirchenaustritt hatte der südbadische Kirchenrechtsprofessor Hartmut Zapp gewollt, als er 2007 im Standesamt seines Wohnortes Staufen schriftlich erklärte, er trete aus der römisch-katholischen Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) aus, werde also keine Kirchensteuer mehr zahlen. Mitglied der Kirche bleibe er aber sehr wohl. Ein Politikum war das. Denn Zapp will zeigen: »Man kann überzeugter Anhänger der Kirche als Glaubensgemeinschaft sein, ohne gleichzeitig der Institution Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts anzugehören.«

Und jetzt? Für Hartmut Zapp ist der Mannheimer Richterspruch keine Niederlage. Der Kirchenrechtler wird seine Sache nun in Rom vor vatikanischen Gerichten verfechten. Dort hat er durchaus Chancen. Denn seit März 2006 praktizieren die deutschen Bischöfe den offenen Ungehorsam gegen Papst Benedikt XVI. – nicht, weil es den Bischöfen um mehr Laienrechte in der Kirche ginge; nein, den Oberhirten der reichsten Provinz der katholischen Weltkirche geht es ums Geld. Im Jahr 2008 überwiesen die staatlichen Finanzbehörden an die evangelischen und an die katholischen Kirchenkassen jeweils rund fünf Milliarden Euro: Einnahmen aus der Kirchensteuer. Die zieht der deutsche Staat im Auftrag der Körperschaftskirchen ein.

Dem Papst in Rom ist dieses allzu enge Arm-in-Arm zwischen Staat und deutscher Amtskirche ein Graus. Benedikt XVI. stimmte im März 2006 ausdrücklich einer Erklärung des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte zu, in der steht: Für eine Person, die nicht mehr katholisch sein möchte, genügt es nicht, vor einer weltlichen Instanz – Amtsgericht oder Standesamt – den Austritt zu erklären. Wer die Kirche verlassen will, muss vom Glauben abfallen und dies einem Priester im persönlichen Gespräch kundtun. Nach dieser Vatikan-Erklärung erscheint ein »taktischer« Austritt aus der Kirche als Körperschaft durchaus möglich und damit der Ausstieg aus der Kirchens

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