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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Christus sind wir

von Doris Strahm vom 28.05.2010

Beziehung war und ist ein Schlüsselwort in feministischen Theologien – und auch in vielen feministischen Re-Visionen der Christologie. Gemeint ist damit nicht in erster Linie eine personale Ich-Du-Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus. Dahinter steht vielmehr ein neues Verständnis des menschlichen Seins, das Beziehung und Verbundenheit als Grundstruktur begreift. Beziehung und Verbundenheit – und nicht Trennung! Gott wird in diesem Denken nicht als personales Du, sondern als transpersonale Kraft oder Macht verstanden, als schöpferische Quelle gerechter Beziehung.

In unserer (post)modernen Gesellschaft, in der vielen Frauen und Männern der Glaube an einen personalen Gott abhandengekommen ist, in der die traditionellen patriarchalen Bilder von Gott als Vater und Herr diskreditiert sind und kaum mehr eine spirituelle und lebensfördernde Kraft entfalten, schließt die Vorstellung von Gott als alles durchströmender Beziehungskraft für viele Menschen an eigene (mystische) Erfahrungen des Göttlichen an. Und sie kommt jenen biblischen Traditionen nahe, die für das unverfügbare göttliche Geheimnis ebenfalls nichtpersonale Bilder kannten. Bilder wie zum Beispiel die Ruach, die dynamische, Raum schaffende, schöpferische göttliche Geistkraft.

Es ist diese göttliche Geistkraft und Beziehungsmacht, die auch Jesus ganz und gar erfüllt hat und die in der ganzen Schöpfung wirkt. Oder, wie die feministische Theologin Carter Heyward es in ihrem Buch »Jesus neu entwerfen« ausdrückt: »Gott als dynamische Beziehungsmacht ist nicht nur in und mit Jesus und auch nicht nur in und mit uns, sondern wirkt von Beginn der Schöpfung an.« Die göttliche Geistkraft, die über der Schöpfung weht, die göttliche Kraft, die die Mächtigen vom Thron stürzt und Gerechtigkeit und Liebe schafft, ist die Wirkmacht, die uns und die ganze Schöpfung verbindet.

Blutleer und ohne Leidenschaft? Die Kritik von Elisabeth Moltmann-Wendel, ein solch entpersonalisiertes Verständnis führe am Ende zu einem anämischen Gottesbegriff, der korrekt, aber leidenschaftslos sei, kann ich nicht teilen. Gott wird im Gegenteil erfahren als eine dynamische und schöpferische Kraft, wirksam in unserem Leben und präsent in unserer leidenschaftlichen und engagierten Liebe zur Mitwelt.

Mit ihrem Plädoyer für eine neue feminist

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