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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2018
Kennen wir uns?
Jesus, Marx und die Krise des Kapitalismus. Ein Streitgespräch
Der Inhalt:

»Ich wusste nicht mehr weiter«

von Ebba Hagenberg-Miliu vom 11.05.2018
Jeder Zehnte in Deutschland ist verschuldet – trotz wirtschaftlich guter Lage. Hilfe gibt es bei der Schuldnerberatung. Ein Besuch in Bonn

Aus dem Eingang der Schuldnerberatung in Bonn huscht ein Mann mittleren Alters. Hastig zieht er das Sakko über und schnappt sich seine Aktentasche. Nein, er will nichts darüber sagen, warum er dort um Hilfe angesucht hat. Sozialarbeiter Martin Zichella kennt die Scham, die es vielen schwer macht, die Schwelle der Beratungsstelle zu überschreiten. Getragen wird sie von Caritas und Diakonischem Werk. Schuldner gebe es in allen Bevölkerungsschichten. »Ich berate Langzeitarbeitslose genauso wie Selbstständige, die plötzlich in Existenznot geraten sind.« Dann bittet Zichella einen jungen Mann herein, der sich an seine Mappe mit Dokumenten klammert. Er ist 25 Jahre alt, hat eine Ehefrau und zwei Kleinkinder. Derzeit macht er eine Ausbildung. Seine Chancen, übernommen zu werden, stehen nicht schlecht. Wären da nicht die 4000 Euro Schulden, die sich aufgetürmt haben, weil er häufig unüberlegt in Onlineshops eingekauft hat. »Seit fünf Jahren laufen mir die Gläubiger hinterher«, sagt der junge Mann und seufzt.

Angst vor Pfändung

Will er in Lohn und Brot kommen, darf ihm keine Pfändung drohen. Kein Arbeitgeber würde ihm einen Vertrag geben. Die Angst vor der Zukunft hat ihn ins Beratungsbüro getrieben. »Ich wusste einfach nicht mehr weiter«, berichtet er. Mit dem Sozialarbeiter hat der Mann zuerst ein Pfändungsschutzkonto eingerichtet. So ist sein Guthaben bis zu gut tausend Euro je Monat vor Pfändung bewahrt. Und er bemüht sich, auch kleine Beträge nicht mehr unüberlegt auszugeben. Jetzt sehe er wieder Land, sagt der 25-Jährige. Auf dem Tisch liegen diverse Papiere. Der Sozialarbeiter addiert mit dem Taschenrechner den aktuellen Stand der Schulden. Drei von sieben Gläubigern haben inzwischen einem Vergleich zugestimmt. Das heißt, der junge Mann verpflichtet sich, seine Schuld in Raten abzuzahlen, dafür erlassen sie ihm einen Teil der Schuld. Verwandte haben ihm zudem kleine Summen vorgestreckt, denn das dritte Kind ist unterwegs.

Der 25-Jährige ist unruhig, möchte sein Problem so schnell wie möglich vom Tisch bekommen. Der Sozialarbeiter bremst ihn: »Wir müssen erst noch mit den restlichen Gläubigern Vergleiche schließen. Das dürfte bis zum Sommer dauern.«

Die Chancen stünden gut, den jungen Mann danach nicht wiederzusehen, meint im Nebenraum der Leiter der Beratungsstelle, Henning Di

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