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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2018
Kennen wir uns?
Jesus, Marx und die Krise des Kapitalismus. Ein Streitgespräch
Der Inhalt:

Das verwundete Geschlecht

Frauen, die beschnitten wurden, leiden körperlich wie psychisch. In einem Berliner Krankenhaus erhalten sie Hilfe

Eine Gruppe afrikanischer Frauen lauscht der Somalierin Mahado. Die junge Frau, die in Wirklichkeit anders heißt, spricht, worüber die meisten Betroffenen schweigen: Genitalverstümmelung. In der Cafeteria des Krankenhauses Waldfriede in Berlin erzählt sie den anderen, dass sie in ihrem Heimatdorf einen alten Mann heiraten sollte. Doch sie hatte einen Geliebten, von dem ihre Familie nichts wusste. Die beiden flohen kurz nacheinander nach Deutschland, wollten heiraten.

Der Zwangsheirat entronnen, stellt sich die nächste Angst ein: Als Kind wurde sie an den Genitalien verstümmelt, auf die pharaonische Art. Bei dieser Praxis schneidet eine sogenannte »Heilerin« ohne Betäubung dem zumeist fünf bis neun Jahre alten Kind die großen und kleinen Schamlippen ab. Rund zwei Drittel aller Mädchen in Somalia erleiden dies. Anschließend werden die Wundränder so zusammengenäht, dass nur ein kleines Loch übrig bleibt, manchmal ist es nicht größer als ein Stecknadelkopf. »Jeden Monat habe ich große Schmerzen, denn das Blut fließt nur sehr langsam ab«, erzählt Mahado später. Auch Urin kommt nur in Tropfen. Geschlechtsverkehr ist unmöglich.

In Somalia schneidet eine Heilerin oder der Ehemann die Vulva nach der Heirat wieder auf. Dass in Deutschland so ein Eingriff nur mit Betäubung durch einen Arzt erfolgt, wissen viele Geflüchtete nicht. Mahado erfährt durch Zufall vom Desert Flower Center am von Adventisten getragenen Krankenhaus Waldfriede. Geleitet wird das Zentrum von Oberärztin Cornelia Strunz. Dort erhält die junge Somalierin medizinische und psychologische Hilfe.

Und besucht die Selbsthilfegruppe beschnittener Frauen, die sich einmal