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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Segen digital

Eine Frage an die theologisch Versierten und Interessierten: Wenn sich jemand einen stimmungsvollen Segensspruch an die Wand hängt, zum Beispiel einen dieser irischen Reisesegen, die Europa seit Jahren sintflutartig überschwemmen, oder den klassisch-traditionellen Balkenverzierer »Gott segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus« – wirkt dann dieser Segen überhaupt? Oder sind das nur leere Worte?

Die Frage ist nicht trivial. Denn diese Segenssprüche wurden ja käuflich erworben oder geschenkt und nicht von einem Menschen zugesprochen. Und es geht natürlich noch weiter: Was ist eigentlich mit »Segenskärtchen«, die bei Veranstaltungen verteilt werden oder in offenen Kirchen zum Mitnehmen rumliegen? Was ist mit bedruckten Segensbändchen, die Jugendliche am Handgelenk tragen? Was ist mit einem Segen, der in einem Fernsehgottesdienst gezeigt wird – aber schon drei Tage zuvor aufgezeichnet wurde? Wirken all diese Segen? Auch durch die Mattscheibe? Und: Verliert der Segen womöglich seine Energie, wenn der Pfarrer im Gottesdienst beim Heben der Arme daran denkt, dass er am Morgen sein Deo vergessen hat?

Klassischerweise heißt es: Damit ein Segen wirkmächtig ist, braucht es einen Segnenden, also eine Person, die quasi zum Sprachrohr Gottes wird. Denn so, wie man sich nicht selbst segnen kann, kann man sich eben auch nicht einfach irgendeinen Spruch an die Wand nageln und dann davon ausgehen, dass das Papier daraufhin segnende Kräfte entfaltet. Segen ist doch kein Glückskeks. Doch um ehrlich zu sein: Das Segenswort auf der Postkarte über meinem Schreibtisch ermutigt mich spürbar. Irgendwas ist dran. Oft habe ich den Eindruck, dass sich fast alle Menschen nach Segen sehnen. Dass aber keiner so ge