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Ungewöhnliches von Bob Dylan

von Wolfgang Kessler vom 12.05.2017
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Traditioneller Pop. Dass sich die Zeiten ändern, wusste die Folk-Rock-Legende Bob Dylan schon früh. Denn seine alte Hymne »The Times They Are A-Changin’« darf auf keinem Konzert fehlen. Wie sehr sich auch für den fast 76-Jährigen die Zeiten geändert haben, zeigt sein aktuelles Album »Triplicate«. Eingefleischte Fans, die mit »Blowing in the Wind« groß geworden sind, werden irritiert sein. Doch auf den drei CDs des Albums zeigt sich Dylan als traditionsbewusster Musiker und Sänger – und seine Band als eine Gruppe meisterhafter Musiker. Ungewöhnlich ist, dass Dylan und seine Band keine Eigenkompositionen spielen, sondern Songs aus den 1930er-, 40er- und 50er-Jahren, die bereits Frank Sinatra, Ella Fitzgerald oder Billie Holliday sangen. Sie versprühen nicht den Geist der Protestbewegung wie so viele Lieder Dylans, eignen sich aber in einem guten Sinn als Hintergrundmusik. Die Band spielt die Harmonien von Ragtime, Blues und Swing sehr exakt, aber in aktuellem Sound. Dylans Stimme klingt bei Weitem nicht so zerbrechlich wie auf vielen seiner jüngeren Alben. So spiegeln die Songs gleichzeitig Perfektion, aber auch eine Gelassenheit wider, nach der sich viele heute sehnen. Und wer auf die Texte hört, spürt die amerikanische Tradition, die da sagt: Bei allen historischen Erschütterungen lassen wir uns das Leben nicht nehmen. Es seien swingende Lieder für »Normalbürger in schwierigen Zeiten«, sagte der Literaturnobelpreisträger in einem seiner raren Interviews. Das Album zeigt, dass noch Überraschungen von ihm zu erwarten sind. Ein tolles Lied heißt »Ich glaube, ich muss mal wieder meinen Plan ändern«.

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