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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

Mit Pfeil und Bogen

Brasilien stürzt ab. 99 Bischöfe rufen auf zu Streiks gegen die rechte Regierung

Qualmende Barrikaden, landesweiter Generalstreik. Vor dem Parlament in der Hauptstadt Brasilia schießen Polizisten auf demonstrierende Indigene, die sich dagegen mit Pfeil und Bogen wehren. Die Hochpreisphase für Export-Rohstoffe an den Weltbörsen ist schon länger beendet – geht nun der ehedem aufstrebende Schwellenstaat Brasilien unter?

Ein Teil der Krise ist hausgemacht. Der soziale Wohlstand stammte aus Exporterlösen für Rohstoffe. Die Diversifizierung der eigenen Wirtschaft und Industrie hatten bereits die Regierungen der Arbeiterpartei PT unter dem populären Lula da Silva und seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff versäumt. Doch jetzt fährt die nicht vom Volk gewählte, sondern durch Verfassungstricks an die Macht gelangte wirtschaftsliberale Regierung unter dem 76-jährigen Michel Temer die Nation vollends an die Wand. Dem ärmeren Teil der Bevölkerung sowie den Indigenen geht es dermaßen an den Kragen, dass in einer noch nie da gewesenen Aktion 99 katholische Bischöfe die Brasilianer zur Teilnahme an den Streiks und Protesten gegen die Regierung aufrufen.

Zorn und Verzweiflung sind groß, denn den 35 Millionen Menschen, die in der Regierungszeit von Lula von 1993 bis 2011 mittels Kontozugang für Kleinstverdiener, Null-Hunger-Programm und staatlicher Förderung in die untere Mittelschicht aufstiegen, droht nun mangels einer verantwortlichen Sozialpolitik der korrupten Regierung Temer der Absturz. Zugleich hat Temer den von Amtsvorgängerin Rousseff durchgesetzten Schutz der Indigenen-Gebiete völlig durchlöchert – ein Handlangerdienst für die Agrarindustrie. Deren Barone sind dabei, Amazonien abzuholzen. Vielen Indigenen bleibt nur der Tod. Brasilien braucht saubere Wahlen, sc