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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

Die Töchter und Söhne des Jaguars

Die Bewohner eines Dorfes in Ecuador verteidigen den Urwald gewaltfrei gegen Rohstoffkonzerne. Zu Besuch in Sarayaku

Mit ohrenbetäubendem Getöse landet der Hubschrauber auf einer Kiesbank mitten im Fluss. Da läuten im nahen Indigenen-Dorf Sarayaku zwei Kirchenglocken Alarm. Die Indiofrauen lassen alles stehen und liegen. Sie rennen hinab zu ihrem Fluss, dem Rio Bobonazo, den feindlichen Eindringlingen entgegen. Für Männer wäre die Aktion lebensgefährlich. Doch auf Mütter wird in Ecuador normalerweise nicht geschossen. Nur ein Mann darf mit, Heriberto Gualinga, ein Filmstudent. Er dokumentiert die dramatische Konfrontation.

Die Frauen schreien die Ölarbeiter an. Sie tun, was sie in gewaltfreien Trainings auf dem Dorfplatz geübt haben. Zunächst umzingeln sie die Vertreter der Erdölindustrie und die Militärs. Sie bedrängen die Waffenträger, entwinden ihnen die Maschinenpistolen. Sie führen sie ab ins Dorf.

Stunden später, nachdem die Kichwa, die Bewohner des 1400-Seelen-Dorfes Sarayaku, den Eindringlingen ihre Position erklärt haben, erhalten die Soldaten ihre Waffen zurück. Es ist eine feierliche Übergabe, ohne Demütigung, unter dem geflochtenen Blätterdach des nach allen Seiten offenen Dorfgemeinschaftshauses.

»Das war ein gewaltfreier Etappensieg«, sagt Patricia Gualinga, während sie in ihrem Palmdachhaus das Mittagessen zubereitet. »Wir sind die Verteidiger des Kawchak Sacha, eines Lebens in Harmonie mit dem lebendigen Wald. Im Urmythos sind wir die Töchter und Söhne des Jaguars.«

Die 38-jährige Patricia ist das Gesicht des Widerstandes gegen die Erdölkonzerne. Ihre Eltern haben diesen Kampf 1990 begonnen. Patricias Vater, Don Sabino, ist 93, die Mutter über 80 Jahre alt. Beide sind Schamanen. Sie hören die Botschaften der Wälder und arbeiteten zugleich jahrzehntelan