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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Mit Grenzen leben«

von Anita Rüffer vom 12.05.2017
Hans-Peter Steinberg (39) hat eine bipolare Erkrankung. Deshalb kann er nicht in seinem Traumberuf arbeiten

Mir ist noch die Caritas-Jahreskampagne im Ohr »Menschen mit Behinderungen – Menschen wie du und ich«. Ich bin so ein Mensch mit einer Behinderung. Doch für mich hatte diese Kampagne keinen Nutzen. Im kirchlichen Dienst zu arbeiten blieb mir aufgrund meines Handikaps verwehrt. 1998, mit 21 Jahren, wurde bei mir eine bipolare Störung diagnostiziert. In manischen Zeiten bin ich sehr ideenreich. Bei mir überwiegen aber die depressiven Phasen. Dann bin ich schnell überfordert, wenn ich die Ideen in die Tat umsetzen will. Seit dem Jahr 2000 habe ich einen Schwerbehindertenausweis. Dennoch würde ich gerne einen Platz in der Gesellschaft finden, der meinen Interessen und Begabungen entspricht. Aber Menschen wie ich haben es auch bei kirchlichen Arbeitgebern schwer, eine Stelle zu finden. Ich wäre gerne als Gemeindereferent oder in der Krankenhaus- oder Jugendseelsorge tätig, habe aber bisher nur Absagen bekommen. Sie füllen einen dicken Ordner und sind in einem sehr geschäftsmäßigen Ton gehalten. Bis auf eine aus dem Bistum St. Gallen. Dort hatte ich mich auf eine Stelle als Jugendseelsorger beworben. Meine Bewerbung wurde, wie sie mir mitteilten, ausführlich in ihren Gremien erörtert. Sie haben mir dann zwar auch abgesagt, aber in einer Art und Weise, die ich gut akzeptieren konnte. Sie haben ihre Absage mit der »hohen Stressresistenz und Frustrationstoleranz« begründet, die für diese Stelle erforderlich seien. Die klaren Worte konnte ich fast wie einen Akt der Fürsorge begreifen. Trotz der Ablehnung hat mir dieses Schreiben gutgetan. Ich habe mich als Mensch gesehen und ernst genommen und nicht als Opfer diskriminiert gefühlt.

Für die Ausbildung zum Religionspädagogen an einer Katholischen Hochschule hatte ich mich entschieden, weil ich genau das erhoffte: mit meiner ganzen Person gesehen zu werden. Zuvor hatte ich es mit einem Pharmaziestudium probiert. Ich hatte davon geträumt, Apotheker zu werden wie meine Eltern und meine Schwester. Aber der Druck war zu groß. 2003 habe ich dieses Studium abgebrochen. Was an der Katholischen Fachhochschule gelehrt wurde, entsprach dann auch mehr meinen Interessen: Geschichte, Religion, christliche Soziallehre … Ich war mit meiner Diplomarbeit über ein pastoraltheologisches Thema so erfolgreich, dass sie sogar als Buch veröffentlicht wurde. Es steht heute in der Bibliothek meiner Hochschule und in zahlreichen weiteren Universitätsbibliotheken. Darauf bin

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