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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2016
Schwierige Schüler
Ausrasten, stören, treten: Ein Fall für die Sonderschule? Eine Lehrerin sagt Nein
Der Inhalt:

Seelsorge für Seelsorger

25 Jahre hat Wunibald Müller erschöpfte Geistliche begleitet. Ein Gespräch zum Abschied

Publik-Forum: Herr Müller, Sie haben das Recollectio-Haus in Münsterschwarzach 25 Jahre lang geleitet: Was fehlte den Kirchen, wenn es dieses Haus nicht gäbe?

Wunibald Müller: Ein Ort, an dem kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Laien wie Priester – in einer Krise therapeutische und spirituelle Unterstützung finden können. Es würde auch ein prophetischer Ort fehlen, an dem strukturelle Veränderungen in den Kirchen angemahnt werden, die sich aus immer wiederkehrenden Problemlagen der Besucher ergeben.

Welche Themen und Probleme sind in den letzten Jahre in den Vordergrund gerückt?

Müller: Es sind vor allem Lebenskrisen: Kann ich wirklich ein Leben lang Priester sein, meinem Orden angehören, im kirchlichen Dienst arbeiten? Dann: Wie kann ich meine Sexualität gut leben? Wie mit meiner Homosexualität umgehen, mit der Verpflichtung zur Ehelosigkeit? In letzter Zeit ist bei vielen Ratsuchenden die Frage bedeutsam geworden, wie sie sich selbst treu sein und zugleich den Erwartungen ihrer Kirche gerecht werden können. Viele fühlen sich von den strukturellen Veränderungen, etwa den Zusammenlegungen von Gemeinden, seelisch und körperlich überfordert.

Strukturelle und persönliche Probleme sind miteinander verknüpft?

Müller: Ja, viele Frauen und Männer, die in den Kirchen arbeiten, sind sehr idealistisch eingestellt, ihnen fehlt dann oft die Fähigkeit zur Abgrenzung. Vielen katholischen Laien macht der Klerikalismus zu schaffen, sie fühlen sich in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt – denken Sie an das Predigtverbot für Laien – und oft nicht