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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2013
Die Suchbürger
Evangelischer Kirchentag: Offen, freundlich, unentschieden
Der Inhalt:

Die Suchbürger

von Thomas Seiterich vom 17.05.2013
Offen, freundlich, unentschieden.
Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag geht mit der Zeit

Die Zeit, in der Deutsche Evangelische Kirchentage zu hitzigen politischen Bekenntnisveranstaltungen gerieten, ist lange vorbei. Statt mit dem lila Tuch der Friedensbewegung, den farbigen Schals der Anti-Atom- oder Frauenbewegung und mancherlei anderen Bekenntnis-Accessoires präsentiert sich 2013 der Hamburger Evangelische Kirchentag kühl in freundlich-unverbindlichem Blau, zum Verwechseln ähnlich der Markenfarbe der Aral-Tankstellen.

»Soviel du brauchst«, lautet das Motto dieses Kirchentags. Es entstammt der Erzählung über die Wüstenwanderung Israels (Mose 16, 18), als das Volk hungert und murrt – und der Ewige Israel über Nacht nahrhaftes Manna vom Himmel schenkt.

Soviel du brauchst – das ist eher ein Lebensstil-Motto für das persönliche Leben als eine klare politische Aussage oder Absage im Stile von »Schwerter zu Pflugscharen«. Die vielfältige, eher individuelle Suche der über 300 000, die das ökumenisch offene Protestantentreffen besuchen, die Sehnsucht nach Alternativen zur geldlichen und materiellen Gier, wie sie heute die Wirtschaft dominiert – sie finden Raum in dieser ruhigen, ja tröstlichen Zusage Gottes: Soviel du brauchst!

Zugleich lädt das Kirchentagsmotto zu Missverständnissen ein. Ist es ein Schlager des Salon-Orchesters auf dem Oberdeck des Kreuzfahrtschiffs MS EU-Europa, in dessen Unterdeck gedarbt und massenhaft gelitten wird? Haben die Verzweifelten in dem von der Eurokrise gebeutelten Süden Europas, haben die Verarmenden in Italien, Spanien, Griechenland und die rund sechs Millionen Deutschen, deren Lohn nicht zum Leben reicht, soviel sie brauchen? An Teilhabe, an guter Arbeit, an Lebenschancen und Kaufkraft?

Der Hamburger Kirchentag gibt sehr vielen Themen Raum. Doch der verstörenden, untergründigen Frage, ob die Eurokrise eine verborgene konfessionelle Schlagseite aufweist, geht der Kirchentag nicht nach. Sind nicht die derzeit reichen und erfolgreichen Euro-Staaten in der EU die evangelisch geprägten Niederlande, Deutschland, Finnland? Während die fast bankrotten Krisenländer Südeuropas seit Ewigkeiten orthodox oder katholisch imprägniert sind.

Der Kirchentag setzt zielsicher die politischen Hauptprobleme von heute, die Fragen vom Zusammenhang von Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit ins Zentrum. Wie zu

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