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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2013
Die Suchbürger
Evangelischer Kirchentag: Offen, freundlich, unentschieden
Der Inhalt:

Machtkampf hinterden Kulissen

von Raimund Weible vom 17.05.2013
Hans Küng sichert die Zukunft seiner »Stiftung Weltethos« und pocht auf Unabhängigkeit vom großen Geld

Was für eine Duplizität! Am 28. Februar trat Joseph Ratzinger als Papst zurück, und gut zwei Monate später gab Hans Küng, sein ehemaliger Professorenkollege und langjähriger Widersacher, sein Amt als Präsident der Stiftung Weltethos ab. Ratzinger, Jahrgang 1927, und Küng, Jahrgang 1928, zollen dem Alter Tribut, trennen sich von ihren Ämtern in einer Phase, in der sie noch über die Kraft verfügen, eigenständig zu entscheiden.

1979 verlor Hans Küng wegen seiner papstkritischen Haltung seine kirchliche Lehrbefugnis und schien am Ende. Doch der Theologe rappelte sich auf, baute sein aus der Fakultät ausgegliedertes Institut für ökumenische Forschung aus und wandte sich seiner Weltethos-Idee zu. Aus dieser Idee erwuchs eine respektable Stiftung mit weltweitem Aktionsradius. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Gedanken eines Religionsdialogs zu verbreiten, der sich auf ethische Werte, Maßstäbe und Haltungen stützt, die allen Religionen gemeinsam sind. Über den Religionsfrieden will Küng eine Brücke zum Weltfrieden schaffen.

Inzwischen hat Küng die Arbeit seiner Stiftung ausgedehnt. Sie vermittelt Menschen unterschiedlicher Bildungsschichten interkulturelles Wissen. Seit 2011 verfügt die Stiftung über ein eigenes wissenschaftliches Institut, das an die Uni Tübingen angeschlossen ist. Dessen Dozenten lehren künftige Entscheidungsträger in der Wirtschaft Grundlagen moralischen Handelns. Küng hat sich längst vor der großen Finanzkrise dafür eingesetzt, dass das Unternehmertum ethische Spielregeln befolgen muss. Masterstudenten beschäftigen sich am Weltethos-Institut in diesem Sommersemester beispielsweise mit unternehmensethischen Fallstudien. Sie untersuchen, welche ethischen Fragestellungen entstehen, wenn sich Unternehmen auf dem Weltmarkt bewegen.

Die Institutsarbeit also ist angelaufen, die Stiftung selbst hat bereits Dependancen in der Schweiz, in Österreich und in Ostasien gegründet. Die Übergabe der Stiftungs-Präsidentschaft ging freilich nicht problemlos über die Bühne. Küng suchte sich Altbundespräsident Horst Köhler als Nachfolger aus. Köhler gehörte bereits dem Kuratorium an und lehrt an seiner alten Universität Tübingen als Honorarprofessor. Der Ex-Präsident erschien wegen seiner Prominenz und seiner Kenntnisse in Wirtschafts- und Finanzfragen als guter Ersatz für den charismatischen Küng.

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