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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2012
Wer war Jesus?
Die neuen Einsichten der Bibelforscher
Der Inhalt:

Ein Stück Himmel

von Thaddeus Herrmann vom 04.05.2012
Claro Intelecto

Wenn es schon in der Weltpolitik keinen klaren Geist mehr gibt, nehmen wir doch den von Mark Stewart. Der junge Mann aus Manchester schreibt Musik wie ein Gott. Das finden nicht nur Depeche Mode, die wiederum seine Götter sind: Engländer halten eben zusammen.

Armut, Atombomben, ACTA: Bei dem ganzen abgefuckten Megabullshit da draußen nutzen wir die Chance, um in wohlig warmen Klischees zu schwelgen. Ihr seid dabei? Prima. Es wird kuschelig, versprochen. England, genauer gesagt der raue Norden. Hier wurde die Industrialisierung erfunden, die Automation, der qualmende Schornstein als Statussymbol einer besseren Welt für ein paar Clevere. Manchester. Epizentrum der maschinellen Fertigung von Konsumgütern. Hier sah es früher schlimmer aus als im Ruhrpott bei Smog. China und Thatcher machten alles nur noch schlimmer. Lange Straßen mit den immer gleichen Doppelhaushälften, roter Backstein, ein verkümmertes Stück Rasen hinter dem niedrigen Mäuerchen und hinten raus, durch die Küche durch, ein kleiner Garten, ein Stück Himmel. Die Straße rauf, die Straße runter, alle fünf Meter das gleiche Bild: Ein Haus gleicht exakt dem anderen. Der Plattenbau wurde eigentlich in England erfunden. Der Tee ist süß, die Kekse auch und in der »Lounge«, dem Wohnzimmer, stehen die vergilbten Bilder auf dem Kamin, in dem nur ein Gasbrenner für Wärme sorgt. Das ist bei aller Orwell’schen architektonischen Gleichschaltung faszinierend anders. Wer einen Schüleraustausch hinter sich hat und ein paar Wochen in einem dieser semi-detached houses verbracht hat, weiß das. Übersichtlich, intim, sehr privat, dazu diese Herzlichkeit. Für die deutsche »Gemütlichkeit« gibt es im Oxford Dictionary leider keine adäquate Entsprechung.

Oben im ersten Stock sitzt Mark in seinem Zimmer und starrt auf den Monitor. Macht Musik. Ist näher dran am Himmel. Verarbeitet das, was er auf illegalen Partys in den Industriebrachen in sich aufgesogen hat. Beats, Stimmungen, Drogen, Euphorie, Sounds gegen den Frust, gegen den immer gleichen Trott dieser immer gleichen Straßen, wo in den Pubs zur Sperrstunde vorne alle raus- und zur Hintertür gleich wieder reinmarschieren. Noch ein Bier, noch einen Brandy, hol’ doch mal die Aschenbecher raus, Sue, die Bullen waren doch erst gestern hier. Heute Nacht sind wir unter uns.

Claro Intelecto vertont diese Klischees perfekt. Ganz unbewusst natürlich, und doch besser als alle anderen. Mit lupenreinen Dan

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