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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2018
Ganz allein
Wie Einsamkeit Mensch und Gesellschaft krank macht – und wie man sie heilen kann
Der Inhalt:

Viele Geschlechter, bunte Schöpfung

Mein Kind hat mir gezeigt, dass wir in der Kirche über Genderfragen reden müssen. Ein Appell

Seit Jahren setze ich mich als schöpfungsliebender Schwarzwaldpfarrer für mehr Vielfalt auf kirchlichen Grundstücken ein. Doch die Schöpfungsvielfalt sexueller Identitäten und Orientierungen war für mich höchstens ein Thema der Seelsorge oder graue Theorie. Geändert hat sich das, seit ich weiß, dass ich ein transidentes Kind habe.

Man spricht von Transidentität, wenn die Geschlechtsidentität vom biologischen Geburtsgeschlecht abweicht. Das ist keine Entscheidung oder Laune, sondern tief in der Persönlichkeit verankert. Als sich unser *Sohn mit der Not an uns wandte, dass er seine Geschlechtsidentität nicht mit seinem Körper in Einklang bringen konnte, zerbrach unsere Illusion, eine dreizehnjährige Tochter zu haben. Das war schwer für uns, gleichzeitig bekundeten wir ihm, dass wir ihn lieben, so wie er ist. Doch wirklich verstanden hatten wir unser Kind damit noch nicht. Mit Transidentität und anderen Genderfragen mussten wir uns erst vertraut machen. Wir lernten neue Vokabeln und begriffen langsam, was unser Kind bewegte. Das Wichtigste war, dass wir und unser *Sohn andere Menschen kennenlernten, die wie er empfanden. Viele von ihnen teilten unseren Glauben. Es hat uns gutgetan zu sehen, wie ernst und freudig sie glauben und die Bibel lesen. Sie öffneten unsere Augen für den bunten Garten der Schöpfungsvielfalt Gottes. Denn unterschiedliche Gender und Orientierungen gab es ja schon immer. Neu aber ist die wachsende Sprach- und Hörfähigkeit in unserer Gesellschaft, wenn es um das Thema Geschlecht geht. Und zu unserem Glück sind immer mehr Menschen bereit, erlebte Nöte und Erfahrungen zu teilen.

Doch in der Kirche ist das oft nicht einfach. Unsere Landeskirche ist wenig geübt im Umgang mit transidenten M