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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2018
Ganz allein
Wie Einsamkeit Mensch und Gesellschaft krank macht – und wie man sie heilen kann
Der Inhalt:

Was schaut ihr nach oben?

von Frank Vogelsang vom 27.04.2018
Gotteserfahrung: Entscheidend ist nicht das große Ganze, sondern was mir wirklich nahekommt

Die Frage nach Gott wird in unserer Zeit von immer mehr Menschen mit zweifelnder Unsicherheit gestellt. Lehrerinnen und Lehrer berichten, dass sehr viele junge Menschen im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren beeinflusst durch eine »moderne« Sicht auf die Welt eine kritische Distanz zur christlichen Religion entwickeln. Doch nicht nur Heranwachsenden macht es Mühe, die moderne, naturwissenschaftliche Sicht auf die Welt mit der biblischen Rede von Gott in Einklang zu bringen, das gilt auch für viele Erwachsene. Studien zeigen, dass es gerade unter Senioren große Glaubensabbrüche gibt. Auch nicht wenige, die sich aktiv in der Kirche engagieren, hadern mit der Gottesfrage. Aus der Diskrepanz zwischen der traditionellen Rede von Gott und der modernen Weltsicht entsteht eine immer größer werdende skeptisch-distanzierte Haltung gegenüber vielen Glaubensinhalten. Dennoch haben nicht wenige Menschen eine starke Intuition für die Wahrheit der christlichen Rede von Gott. Sie erleben die Gewissheit, dass Gott existiert, dass sie sich auf ihn verlassen können. Aber sie können sich kaum noch jemandem erklären, der nicht seinerseits davon überzeugt ist. Es gibt keine allgemein akzeptierte religiöse Sprache mehr. Daraus folgen oft Resignation und nicht selten ein Schweigen.

In den Gottesdiensten wird zwar Sonntag für Sonntag gepredigt, doch das heißt noch lange nicht, dass die meisten Gottesdienstbesucherinnen und -besucher den religiösen Aussagen auch zustimmen. Sie lauschen mit einer gewissen Skepsis den Worten der Predigt, aber behalten im Zweifel ihre Fragen eher für sich. Bisweilen nehmen die Predigten diese skeptischen Fragen auf und spielen sie in einen offenen Raum – erzeugen aber nur selten Resonanz.

Diese Problematik ist aktuell, aber nicht neu. Schon seit über 200 Jahren diskutieren Theologinnen und Theologen die Herausforderung, die das moderne Bild von der Welt für die traditionelle Rede von Gott darstellt. Allerdings hat sich etwas Gravierendes verändert: Kritische Fragen an den Glauben, die früher ein Stein des Anstoßes in der Öffentlichkeit waren, werden heute kaum noch als ein Problem allgemeinen Interesses gesehen. Die Zeit für öffentliche theologische Debatten scheint definitiv vorbei zu sein. Über abweichende Glaubensauffassungen regt sich niemand mehr so richtig auf, im Grunde scheint zu gelten: Ein jeder soll nach seiner Façon glücklich werden. Die Kehrseite dieser Entwicklung: Moder

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