Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2018
Ganz allein
Wie Einsamkeit Mensch und Gesellschaft krank macht – und wie man sie heilen kann
Der Inhalt:

»Ich habe erlebt, was da passiert«

von Brigitte Neumann vom 27.04.2018
Wie denken rechte Christen? Und wie befreit man sich aus diesem Milieu? Fragen an die Publizistin Liane Bednarz

Publik-Forum: Frau Bednarz, seit wann diskutieren wir in Deutschland eigentlich wieder über Christen, die dem Rechtspopulismus frönen?

Liane Bednarz: Das fing mit den Euro-Rettungsmaßnahmen an. Die stießen vor allem im protestantisch-evangelikalen Milieu auf Vorbehalte, weil man dort sehr dagegen ist, Schulden zu machen oder für fremde Schulden zu haften. Beatrix von Storchs politische Karriere begann in dieser Zeit. Im katholischen Bereich wiederum spielt der Pontifikatswechsel von 2013 eine entscheidende Rolle. Konservative Katholiken fremdeln bis heute mit Papst Franziskus, der von ihnen als zu liberal angesehen wird. In Deutschland kam dann Ende 2013, Anfang 2014 die Causa Tebartz-van Elst hinzu. Den Bischof von Limburg stellten viele derjenigen, die dem Papst misstrauen, als verfolgte Unschuld dar. Diese Gruppe wurde damals wohl empfänglich für die ab dem Herbst 2014 aufkommende Pegida-Parole von der Lügenpresse. Es war ja die Presse, die den Skandal um Tebartz aufgedeckt hatte, einen Skandal, den das genannte Milieu aber nicht als solchen sehen wollte.

Haben Rechtspopulisten ein Eigeninteresse daran, in christliche und kirchliche Milieus vorzudringen?

Bednarz: Ja. Die existierende Allianz zwischen Rechtspopulisten und vielen nach rechts gedrifteten Christen führt dazu, dass der Rechtspopulismus in der Lage ist, im christlichen Kleid daherzukommen. Das macht ihn anschlussfähig an die bürgerliche Mitte. Der Begriff »das christliche Abendland« wird auf diese Weise von rechts gekapert und mit einer ausgrenzenden Bedeutung aufgeladen. Da rechte Christen gemeinhin eine absolut gesetzte christliche Wahrheit verteidigen, ist man anderen Religionen gegenüber äußerst distanziert. Man möchte vielfach keinen Dialog, denn man hat ja die eigene Wahrheit zu bewahren. Daher rührt die Islamfeindlichkeit zahlreicher Menschen aus diesen Kreisen, die mit der Islamfeindlichkeit vieler rechter politischer Bewegungen bestens korrespondiert.

Seit wann beschäftigen Sie sich so intensiv mit rechten Christen?

Bednarz: Seit 2013. Ich habe gemerkt, wie sich in einem Teil des konservativ-frommen Milieus eine bestimmte Entwicklung anbahnte, habe gesehen, wie Leute schrittweise dieses Denken übernahmen und dann irgendwo zwischen ko

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen