Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Syrien: Spielball der Mächte

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 28.04.2017
Über die Verantwortung des Westens im Syrienkrieg, die zweifelhafte Empörung der Linken und die vergessenen syrischen Aktivisten

Eigentlich sollte dieser Artikel ganz anders beginnen. Eigentlich sollte hier eine politische Analyse stehen über die Hintergründe des Krieges in Syrien, über die Strippenzieher aus Saudi-Arabien und Europa, Russland und dem Iran, aus den USA, der Türkei, Katar. Doch das ist nicht leicht. Schnell findet man sich als Journalistin in einem Strudel aus Halbwahrheiten, interessengeleiteten Einschätzungen und sich widersprechenden »Beweisen« unterschiedlicher Seiten wieder. Klar: Webseiten wie Russia Today oder Sputnik sind das Sprachrohr des Kreml, russische Propaganda. Aber gilt das nicht auch andersherum? Ist es nicht eine rein westliche Sichtweise, wenn große deutsche Medien sofort davon ausgehen, dass das Assad-Regime den schrecklichen Giftgasangriff in Chan Scheichun am 4. April verübt hat – zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine fundierten Beweise vorlagen? Was ist nun die Wahrheit im Syrienkrieg? Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde: Ich weiß es. Dafür gibt es zu viele Puzzleteile. Wenn man versucht, das Puzzle an Verantwortlichkeiten in Syrien zusammenzusetzen, sind drei Phänomene zu beachten.

Erstens: Wer das gängige Narrativ von Russland als »dem Bösen« und dem Westen als »dem Guten« infrage stellt, wird schnell diskreditiert. So ging es dem Politik- und Islamwissenschaftler Michael Lüders, der das kürzlich in der TV-Talkshowrunde »Anne Will« erlebte. Er sei ja eigentlich Wirtschaftsberater und verfolge deshalb eigene Interessen, hieß es gleich zu Beginn der Sendung. »Die Art der Formulierung legt den Eindruck nahe: Der Lüders ist nicht seriös, im Zweifel stellt er seine wirtschaftlichen Interessen über seine inhaltliche Arbeit. Das ist eine bösartige Unterstellung«, empörte sich Lüders in einem Interview mit den Nachdenkseiten. Lüders ist kein Einzelfall: Nahostexperten, die die Rolle der USA und Europas in Syrien kritisch hinterfragen, werden oft in eine Ecke mit Verschwörungstheoretikern gesteckt. Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir allen Grund haben, von unserem hohen Ross der moralischen Überlegenheit hinabzusteigen.

Von Waffenlieferungen an Kriegsteilnehmer wie Saudi-Arabien einmal ganz zu schweigen: Die USA und europäische Verbündete bilden islamistische Milizen aus, die sich von Al-Qaida nur im Namen unterscheiden

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen