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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2017
Die zerrissene Gesellschaft
Was tun gegen den Rechtspopulismus?
Der Inhalt:

Der Kampf um die Vorherrschaft im Netz

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 28.04.2017
Im Internet lassen »digitale Wutbürger« ihrem Hass freien Lauf. Doch immer mehr Menschen schreiben dagegen an

Irgendwann hatte Julia Schramm die Nase voll von all den Unbekannten, von denen sie im Internet als »dumm, scheiße und hässlich« bezeichnet wurde, als »Dreck, Vieh und Volksverräterin«. Schramm ist eine Linken-Politikerin, Feministin und beliebte Zielscheibe für rechte Hassattacken. »Plötzlich regte sich in mir das Bedürfnis nach Widerspruch, nach Kontaktaufnahme, nach Dialog«, schreibt sie. Und so antwortete sie denjenigen, die ihr hasserfüllte Nachrichten sandten – freundlich und höflich. Einige ließen sich auf eine Diskussion ein. »Im Laufe des Gesprächs kam heraus, dass die Wut auf mich ein Ventil für Angst gewesen ist«, erzählt Schramm. Ihr sei von der Angst um die Zukunft erzählt worden, von Drogensucht, Frust und dem Gefühl, abgehängt zu sein. »Viele waren einfach nur erstaunt, dass ich ihnen ernsthaft antwortete, dass sie gehört wurden. Sie dachten zuvor, dass die wütenden Nachrichten, die sie mir schrieben, im Äther digitaler Kommunikation einfach vorbeirauschen würden.«

Tatsächlich rauschen täglich unzählige Hassbotschaften durchs Netz. 53 000 Fälle verzeichnet die Organisation Jugendschutz.net für 2016. Besonders in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram werben Neonazis um Mitstreiter. Manchmal auf skurrile Art: Da tauchen neben süßen Katzenfotos plötzlich NS-Symbole auf, neben Bildern von Biogemüse die Logos neurechter Bewegungen. »Soziale Netzwerke sind seit Jahren die Propaganda-Plattform Nummer Eins für Rechtsextreme und Rechtspopulisten«, erklärt Simone Rafael, die seit 2002 für die Amadeu Antonio Stiftung Strategien gegen Rechtsextremismus im Internet entwickelt. Besonders Jugendliche sind gefährdet, Hasspredigern auf den Leim zu gehen: Sie verbringen im Schnitt rund drei Stunden täglich im Internet. »Die sozialen Netzwerke sind die Schulhöfe von heute«, sagt Anetta Kahane, Vorsitzende der Stiftung. »Da trifft man sich, da tauscht man sich aus. Da werden die Jugendlichen aber auch von Menschenfeinden umworben.«

In der Anonymität des Internets sinkt die Hemmschwelle, rassistische Äußerungen von sich zu geben. Um der Sturmflut an Hassbotschaften Einhalt zu gebieten, verkündete Justizminister Heiko Maas, dass er gesetzlich härter gegen Unternehmen vorgehen will, die menschenverachtende Kommentare nicht innerhalb von

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