Der Kampf um die Vorherrschaft im Netz
Irgendwann hatte Julia Schramm die Nase voll von all den Unbekannten, von denen sie im Internet als »dumm, scheiße und hässlich« bezeichnet wurde, als »Dreck, Vieh und Volksverräterin«. Schramm ist eine Linken-Politikerin, Feministin und beliebte Zielscheibe für rechte Hassattacken. »Plötzlich regte sich in mir das Bedürfnis nach Widerspruch, nach Kontaktaufnahme, nach Dialog«, schreibt sie. Und so antwortete sie denjenigen, die ihr hasserfüllte Nachrichten sandten – freundlich und höflich. Einige ließen sich auf eine Diskussion ein. »Im Laufe des Gesprächs kam heraus, dass die Wut auf mich ein Ventil für Angst gewesen ist«, erzählt Schramm. Ihr sei von der Angst um die Zukunft erzählt worden, von Drogensucht, Frust und dem Gefühl, abgehängt zu sein. »Viele waren einfach nur erstaunt, dass ich ihnen ernsthaft antwortete, dass sie gehört wurden. Sie dachten zuvor, dass die wütenden Nachrichten, die sie mir schrieben, im Äther digitaler Kommunikation einfach vorbeirauschen würden.«
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