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Editorial
40 Jahre Tschernobyl, Weltuntergangsszenarien in Kinderliteratur und das Erbe von Ludwig Wittgenstein

Was in der neuen Ausgabe von Publik-Forum steht.
vom 14.04.2026
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Nana Gerritzen (Foto: Ute Victor)Anfang Mai 1986 saß ich, vier Jahre alt, auf einer Bank vor meinem Kindergarten und schmollte. Die Sonne schien, aber wir durften nicht in den Sandkasten. Der Sand sah aus wie immer, war aber von etwas mit einem komplizierten Namen belastet, den ich nicht verstand – und deshalb plötzlich gefährlich. Der komplizierte Name: Tschernobyl.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 7/2026 vom 17.04.2026, Seite 3
Der Gau
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Damit Tschernobyl sich nicht wiederholt

Unsere Titelgeschichte zeigt, wie sehr die Reaktorkatastrophe 40 Jahre später nachwirkt. Die belarussische Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, der Physiker und DDR-Bürgerrechtler Sebastian Pflugbeil und andere schildern, wie die unsichtbare Bedrohung ihr Leben veränderte. Zugleich richtet sich der Blick nach vorn: auf neue Diskussionen um Atomenergie. Denn gerade in Zeiten der Energieunsicherheit scheint die Versuchung groß, neuen Krisen mit alten Antworten zu begegnen.

Falls Sie uns schon seit 1986 (oder länger) treu sind, erinnern Sie sich vielleicht noch an unser Aktionsdossier »Strom ohne Atom« aus dem Juni 1986. Der mittlerweile vergriffene Sonderdruck hatte eine Auflage von mehr als einer Million.

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Auch kulturell hat sich Tschernobyl eingeprägt – nicht zuletzt durch die Bücher von Gudrun Pausewang. Ihre Jugendromane »Die Kinder von Schewenborn« und »Die Wolke« haben Generationen von Lesenden geprägt – auch meinen Kollegen Christoph Fleischmann. In »Die Kinder müssen die Welt retten« hinterfragt er, ob die als pädagogisch wertvoll gefeierten Bücher zwischen Warnung und Zuspitzung die Bedürfnisse ihrer jungen Zielgruppe außer Acht gelassen haben: Haben sie zu sehr auf Angst gesetzt und zu viel Verantwortung auf die damals junge Generation abgeladen?

Wie lässt sich Verantwortung denken, ohne zu überfordern – und Hoffnung bewahren, ohne die Realität zu beschönigen? Dieser Frage nähert sich Klaus von Stosch über den Philosophen Ludwig Wittgenstein, der vor 75 Jahren starb. Sein Satz »Denk nicht, sondern schau« ist überraschend aktuell und keine Absage an das Denken, sondern eine Einladung, genauer hinzusehen in Zeiten, in denen Gewissheiten bröckeln und einfache Antworten verführerisch scheinen.

Ich wünsche Ihnen eine den Horizont erweiternde Lektüre.

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Personalaudioinformationstext:   Nana Gerritzen ist Redakteurin im Ressort Politik & Gesellschaft.
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