Im Bilde
Züge gucken

Früher wollte niemand in der Train Street in Hanoi wohnen. Zweimal am Tag rast ein Zug durch die Gasse, die Häuser beben, die Fenster klirren. 2017 fing ein Anwohner an, vor seiner Tür Kaffee und Bier zu verkaufen, weil Touristen ohnehin stehen blieben und schauten. Nachbarn bemerkten das Geschäftspotenzial. Bald hingen Laternen und standen Plastikstühle neben den Gleisen, die Gasse wurde zum Instagram-Hotspot. Was die Leute anzieht: Zu Hause gibt es Absperrungen, hier gibt es Nervenkitzel. Man sitzt. Und wartet. Kurz vor der Einfahrt räumen die Kellnerinnen die Stühle weg, die Gäste drücken sich an die Wände, die Smartphones gehen hoch. Dann ist der Zug vorbei, und alle setzen sich wieder hin. Die vietnamesische Regierung versuchte, das mehrfach zu unterbinden, zuletzt, nachdem ein Tourist beim Selfie fast unter die Räder gekommen war. Seit Februar ist die Train Street wieder offen.




