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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2019
Rebellion der Zukunft
Retten uns die Schüler?
Der Inhalt:

Vorgespräch: Wie geht Theater mit Tourette?

Fragen an Helgard Haug von »Rimini Protokoll«. Die Regisseurin bringt Menschen mit Tourette auf die Bühne

Publik-Forum: Sie inszenieren in Frankfurt ein Stück mit dem erstaunlichen Titel »Chinchilla Arschloch, waswas. Nachrichten aus dem Zwischenhirn«. Worum geht es da?

Helgard Haug: Wir haben drei Protagonisten mit Tourette eingeladen. Einer der drei, Christian Hempel, hat sehr kreative Tics und hat immer mal diese Wort-Kombination gerufen, als wir gemeinsam unterwegs waren. Für mich ist das ein schönes Beispiel für seine Sprachkreativität und die interessanten Seiten von Tourette, das ja immer auch eine Reaktion auf die Umgebung ist.

Erklären Sie kurz, was Tourette ist?

Haug: Das ist sehr komplex und wenig erforscht. Bei der Krankheit treten so genannte Tics: Ungesteuerte Bewegungen, Grimassen oder rhythmische Geräusche, aber auch »Koprolalie«, also vulgäre Ausrufe von »Heil Hitler« bis »Arschloch«.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, darüber ein Stück zu machen?

Haug: Ich habe Christian Hempel bei der Recherche zu einem andern Stück kennengelernt. Er war früher sehr unternehmungslustig; sein Motto lautete »Ich tice, also bin ich«. Inzwischen lebt er ziemlich zurückgezogen, weil er in Konflikte kam und gemerkt hat, er stört eigentlich immer. Zuerst hat er es kategorisch abgelehnt, bei einem Stück mitzumachen, und gesagt, das sei eine Zumutung für alle. Ich habe dann ein Hörspiel mit ihm gemacht und es geschafft, ihn aus seinem Schneckenhaus zu locken. Dabei ist das kreative Potenzial dieser Krankheit deutlich geworden – wie stark er seine Umgebung wahrnimmt, und dass es auch eine Frage ist, wie sich die Umwelt zu ihm verhält und was für Tolera