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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2019
Rebellion der Zukunft
Retten uns die Schüler?
Der Inhalt:

Der Forsthof und seine Bewohner

von Sara Mierzwa vom 05.04.2019
Anders leben: Am Waldrand bei Kassel lebt eine bunte Gemeinschaft. Die Kommune »Gastwerke« zeigt schon seit zehn Jahren, wie es geht, naturnah und solidarisch zu wirtschaften

Auf dem Foto sieht man gut gelaunte Menschen: Männer mit Bärten, langen Haaren und Hut, farbenfroh gekleidete Frauen und viele Kinder. »Wir sind eine bunte Gemeinschaft von 22 Erwachsenen, 13 Kindern. 12 Männer, 10 Frauen, rundlich, sportlich, Hand- und Kopfarbeiter«, heißt es auf der Internetseite der Gastwerke. »Wir fühlen uns für den Erhalt unseres Lebensraums verantwortlich, verstehen ihn als schönste gemeinsame Ressource.« Und weiter: »Wir glauben auch, dass wir gemeinsam stärker sind als die Summe aus individuellen Einzelinteressen.«

Eine Kommune also. Eine Gemeinschaft, die sich nicht nur ein großes Gelände, sondern auch Geld und Autos, die Betreuung der Kinder und die Vision von einem nachhaltigen Leben teilt. Und wie immer, wenn etwas gegen den Mainstream und alle »Sachzwänge« löckt, stellt sich die Frage: Kann das überhaupt funktionieren?

Und wie geht das konkret? Die Gemeinschaft Gastwerke wohnt und arbeitet auf einem früheren Forstgut in Escherode bei Kassel. In der Küche stehen drei große Tische, darauf Geschirr für vierzig Leute und fünf verschiedene Brotlaibe. Es ist elf Uhr morgens. Vier Frauen und zwei Männer sitzen an einem der drei großen Tische zusammen. Es sind die Mitarbeiter der gemeinschaftseigenen Gärtnerei Wurzelwerk. Bevor sie die Gemüsekisten in der Umgebung ausfahren, gibt es hier immer noch ein Gärtnerfrühstück.

Auch Ann-Kathrin Crystall sitzt mit am Tisch. Die 33-Jährige mit den kurzen braunen Haaren und bunten Wollsocken lebt seit einem Jahr mit ihrem Sohn Levi in der Gemeinschaft, vormittags arbeitet sie in der Gärtnerei und beendet ihre Ausbildung zur Gemüsegärtnerin. Levi spielt draußen mit den anderen Kindern und wird dabei von der Musiktherapeutin und Erzieherin Ulli Krämer aus der Gemeinschaft betreut.

»Früher hat mein Sohn sehr an mir gehangen. Seit wir hier leben, ist es viel einfacher, weil er noch andere Bezugspersonen hat«, erzählt die Mutter. Wenn der Dreijährige morgens in die Küche geht, ist meistens schon jemand da, der ihm ein Brot schmiert. Und nachdem sie ihn abends zu Bett gebracht hat, sind in der Küche immer noch andere Erwachsene zum Reden da oder zum gemeinsamen Filmegucken. Dafür, sagt Ann-Kathrin, höre sie dann auch mal darüber hinweg, wenn die Jugendlichen Party machen und die Musik laut aufdrehen. »Wenn es wenigstens nicht so

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