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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2019
Rebellion der Zukunft
Retten uns die Schüler?
Der Inhalt:

»Besser einmal im Monat«

Wie kann der Protest weitergehen? Interview mit dem Bewegungsforscher Dieter Rucht

Publik-Forum: Die Bewegung »Fridays for Future« kam für viele aus dem Nichts.

Dieter Rucht: Aus dem Nichts kam die Bewegung nicht. Der Streit über den Klimaschutz betrifft die Bevölkerung direkt, etwa wenn es um mögliche Fahrverbote für Dieselfahrzeuge geht. Dass hier ausgerechnet junge Menschen auf die Straße gehen, hat mich schon überrascht.

Ist Greta Thunberg für die Politisierung der Jugend verantwortlich?

Rucht: Greta ist ein Vorbild und auch die Impulsgeberin für den Protest. In einer Befragung unter Teilnehmern der Schülerproteste haben wir aber herausgefunden, dass sich viele der Schüler schon vorher intensiv mit den Folgen des Klimawandels auseinandergesetzt hatten. Die Mehrheit der Befragten gab an, das eigene Konsumverhalten geändert zu haben. Immerhin vierzig Prozent haben auch schon bewusst auf eine Flugreise verzichtet.

Wie stark ist deren Durchhaltevermögen?

Rucht: Die Bewegung hat ihren Höhepunkt wohl überschritten. Der Protest wird noch einige Wochen andauern, ein harter Kern vielleicht ein paar Monate durchhalten. Die ständige Wiederholung derselben Forderungen nimmt der Bewegung aber das Feuer und auch das Medieninteresse wird nachlassen. Gleichzeitig steigt der Druck der Schulbehörden, streikende Schüler zu sanktionieren.

Wie groß ist der Spaßfaktor als Motivation für die Proteste?

Rucht: Das spielt vor allem bei den Jüngeren eine Rolle. Das kollektive Erlebnis, dicht an dicht zu stehen und gemeinsam Parolen anzustimmen, versetzt sie regelrecht in Hochstimmung.