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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2018
Krone der Schöpfung?
Es ist Zeit für eine Grüne Reformation
Der Inhalt:

»Biolachs auf dem Kreuzfahrtschiff«

von Josefine Janert vom 13.04.2018
Wieso dient Essen dem Sozialprestige? Fragen an den Kulturwissenschaftler Gunter Hirschfelder

Publik-Forum: Herr Hirschfelder, wie würden Sie unsere aktuelle Ess- und Trinkkultur beschreiben?

Gunter Hirschfelder: Seit etwa 1990 entwickeln sich immer stärker Szenen und Konsumentengruppen mit unterschiedlichen Ernährungsvorlieben. Menschen können gleichzeitig mehreren Gruppen angehören, wenn sie etwa von türkischen Esstraditionen geprägt sind und jetzt vegan leben. Der individuelle Genuss steht für viele Menschen im Mittelpunkt. Viele benutzen Essen und Trinken auch für den Gewinn von Sozialprestige und blenden das große Ganze aus. Zum Beispiel Personen, die auf einer Kreuzfahrt einen von einem Sternekoch zubereiteten Biolachs verspeisen, der aus Chile eingeflogen wurde: Trotz der ökologischen Schäden, die das verursacht, können sich diese Menschen der Illusion hingeben, dass sie auf ihre Ernährung achten, Fisch essen, der als gesunde Nahrung gilt, und sich sogar als nachhaltig Handelnde verstehen, indem sie ein Bioprodukt bestellen.

Ist qualitätsbewusste Ernährung ein Privileg gebildeter Menschen?

Hirschfelder: Nicht unbedingt. In den vergangenen zwanzig Jahren haben viele Menschen eine große Expertise fürs Essen und Trinken entwickelt und nutzen sie zum Beispiel, um ihre Körper zu optimieren. Andere haben dagegen überhaupt keine Energie, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, unabhängig von ihrem Bildungsniveau. Gleichzeitig erleben wir eine Elite, deren Angehörige zum Teil bedenkenlos dem Konsum frönen. Solange das so ist, haben moralische Appelle wenig Sinn, und es kann kaum vermittelt werden, dass es sinnvoll ist, weniger Fleisch zu essen oder für Lebensmittel mehr Geld auszugeben, damit Bauern, Bäcker und andere von ihrer Arbeit anständig leben können.

Gibt es in der Esskultur große Unterschiede zwischen Stadt und Land?

Hirschfelder: Sie sind längst nicht mehr so groß wie vor fünfzig Jahren. Es gibt kaum noch Gebiete, die wirklich abgelegen sind, was die Versorgung betrifft.

Bauern produzieren Lebensmittel. Müssten sie nicht eine andere Haltung zu Nahrungsmitteln haben als Stadtmenschen?

Hirschfelder: Es ist schwierig, zu sagen: Alle Bauern denken so, alle Menschen zwischen zwanzig und dreißig Jahren konsumieren so. Was die Ernährung anbelangt, sind Iden

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