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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2017
Was heißt Auferstehung?
Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Patrick Roth und der Theologin Margareta Gruber
Der Inhalt:

Falsches Signal

von Bettina Röder vom 07.04.2017
Die Potsdamer Garnisonkirche – eine »gotteslästerliche Bude«? Der Streit um den Wiederaufbau betrifft ganz Deutschland

Steine sind geduldig, sagt ein altes Sprichwort. Menschen hingegen sind das nicht. Zum Glück, könnte man sagen, wenn es um den geplanten Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche geht. Der Journalist Christoph Dieckmann nannte sie jüngst in einer Predigt eine »gotteslästerliche Bude«, der Aufschrei der Garnisonkirchen-Befürworter war vorprogrammiert. Anlass war eine Tagung in Potsdam, zu der auch die Wiesbadener Martin-Niemöller Stiftung eingeladen hatte. Das Motto: »Projekt Garnisonkirche. Welche Zeichen will die evangelische Kirche hier setzen? Ein Zwischenruf aus Potsdam.« Der war eindeutig: Renommierte Referenten aus der Friedensbewegung redeten da nicht nur über den umstrittenen Wiederaufbau einer Militärkirche. Den sahen sie vielmehr im großen Kontext einer deutschen Außen- und Sicherheitspolitik, die sich inzwischen primär aufs Militär verlegt hat. Nicht zuletzt hier wurde deutlich: Es geht um eine Botschaft für kommende Generationen. Der Streit betrifft ganz Deutschland. Auch die Friedensbewegung hat sich eingeklinkt. Und das ist gut so.

Denn damit wird einmal mehr die grundlegende Frage deutlich, die hinter dem Wiederaufbau steht: Wollen die Befürworter von der Stiftung Garnisonkirche sie als wichtigen Bestandteil des Stadtbildes, oder ist sie nicht vielmehr ein Symbol für Militarismus und Krieg? Sehr tief muss man nicht ins Geschichtsbuch schauen, um deutlich zu machen, dass diese Kirche natürlich für ein verheerendes Kapitel der deutschen Geschichte steht. Und zwar mit dem »Tag von Potsdam« für die Machtergreifung Hitlers, die hier am 21. März 1933 im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal inszeniert über die Bühne ging. Und nicht nur das. In der Garnisonkirche wurde schon zuvor seit weit mehr als hundert Jahren Krieg gepredigt, Soldaten auf den Gehorsam bis in den Tod eingeschworen. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Ruine 1968 auf Veranlassung von DDR-Staats- und Parteichef Ulbricht gesprengt.

»Eine Militärkirche gehört nicht zur Versöhnungsgeschichte des Evangeliums. Sie zählt zur Missbrauchsgeschichte durch Sakralisierung von Nation und Krieg«, hatte Christoph Dieckmann gesagt. Da ist es gut, dass es die Initiative Christen brauchen keine Garnisonkirche gibt, die deutlich macht: Christliche Versöhnung und Friedensethik sehen anders aus.

Es wird darauf

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