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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Psychotherapie Aktuell: Heilen auf Augenhöhe

von Gunhild Seyfert vom 15.04.2016
Das Geheimnis der Gesprächspsychotherapie liegt in der Beziehung. Sie setzt auf den mitfühlenden Kontakt zu den Patienten – und schafft so Raum für Veränderung

Ein Mann, Mitte fünfzig, mit schütterem Haar und blassem Gesicht sitzt im elegant eingerichteten Zimmer einer psychotherapeutischen Praxis und blickt unsicher um sich. Sein Arzt hat ihn hergeschickt. Was will man hier von ihm, was wird jetzt passieren? Der Psychologe Dietrich Gräßner sitzt gegenüber, schaut ihn aufmunternd an und versucht ein erstes Gespräch. Vergeblich. »Ich kann nicht über mich sprechen«, druckst sein neuer Patient schließlich heraus. »Ich kann nicht über mich sprechen. Auch nicht mit meiner Frau und nicht mit meinen Kindern.« Es folgt zähes, langes Schweigen.

Als erfahrener Psychotherapeut verfügt Dietrich Gräßner über viele Kompetenzen. Eine seiner wesent lichen Qualifikationen ist die Methode der Gesprächspsychotherapie, die heutzutage oft auch »personzentrierte Psychotherapie« genannt wird. Als Gesprächspsychotherapeut begegnet er seinen Klienten mit einer besonderen Haltung: auf Augenhöhe, mit bedingungsloser Zuwendung und Einfühlung. »Haben Sie Angst? Angst vor mir?«, fragt er schließlich. Ein zaghaftes »Ja« ist die Antwort.

Es ist schwer, sich vorzustellen, wie gerade dieser wohlwollende, rundliche, ältere Mann jemandem Angst einjagen kann. Doch statt zu beschwichtigen, fragt Gräßner nach: »Wie habe ich Ihnen Angst gemacht?« Eines der Merkmale der Gesprächspsychotherapie ist das Bemühen um einen echten Kontakt. Der Psychotherapeut soll sich nicht verstecken hinter der Rolle des Experten oder seiner therapeutischen Technik, sondern sich mit wirk lichem Interesse in den Klienten hineinversetzen und ihn einfühlsam verstehen.

Auf den Psychologen wirkt der Patient, je länger er ihn anschaut, umso mehr wie ein kleiner Junge, der sich schämt. »Ist es jetzt wie in der Schule damals?«, fragt Gräßner, einer Intuition folgend. »Ja, genauso ist das jetzt wieder.« Zögernd zunächst, aber dann erleichtert, erzählt sein Patient: Wie er von Anfang an in der Schule versagte, die Mitschüler ihn hänselten, die Lehrer ihn vor versammelter Klasse demütigten. Wie Mutter und Vater sich von ihm auch abwendeten und so taten, als gäbe es ihn und seine Probleme nicht.

Heute ist bekannt, dass die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Patient einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg einer Therapie ist. Das belegen verlässliche Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft. Seiner Zeit weit voraus und ein Pionier auf diesem Gebiet war

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